Amazon-Affäre: Trenkwalder weist alle Vorwürfe zurück

Die österreichische Leiharbeiterfirma geriet nach einer Doku über die schlechten Arbeitsbedingungen bei Amazon ins Kreuzfeuer der Kritik. Nach tagelangem Schweigen veröffentlichte Trenkwalder eine Stellungnahme.

AmazonAffaere Gewerkschaftskritik Trenkwalder
AmazonAffaere Gewerkschaftskritik Trenkwalder
(c) EPA (FRANK LEONHARDT)

Die niederösterreichische Leiharbeiterfirma Trenkwalder bricht nach Tagen ihr Schweigen und reagiert in einer Stellungnahme auf die Vorwürfe rund um die schlechten Behandlung von Leiharbeitern beim Internethändler Amazon. Trenkwalder ist sich keiner Schuld bewusst: Man habe mit 1000 Leiharbeitern nur "einen kleineren Teil" der zusätzlichen Arbeitskräfte für das Amazon-Weihnachtsgeschäft gestellt, so das Unternehmen. Amazon hatte im November von 10.000 zusätzlichen Aushilfskräften gesprochen. Von den rund 1000 Trenkwalder-Leiharbeitern seien von der deutschen Bundesagentur für Arbeit rund 60 Personen aus Spanien und Schweden in ihren jeweiligen Heimatländern angeworben worden und dann von Trenkwalder als Leihkräfte an Amazon vermittelt worden. "Daraus ergab sich für diese Mitarbeiter kein Nettolohn-Nachteil. Alle durch Trenkwalder an die Firma Amazon überlassenen Mitarbeiter erhielten mindestens den gültigen Tariflohn", argumentiert der Konzern.

Das deutsche Arbeitsministerium hatte am vergangenen Donnerstag eine Sonderprüfung der Deutschland-Tochter von Trenkwalder eingeleitet (mehr dazu ...). Trenkwalder meinte dazu: "Die Prüfung der Bundesagentur für Arbeit hat die öffentlich vorgebrachten Anschuldigungen nicht bestätigt". Vom Arbeitsministerium gab es jedoch noch keine "Entwarnung": Der Bericht liege noch gar nicht vor, sagte eine Sprecherin auf Anfrage zur APA.

Amazon trennt sich von weiterer Firma

Amazon trennte sich am Montag von der umstrittenen Sicherheitsfirma H.E.S.S., die unter anderem Wohnanlagen für Saisonkräfte in den deutschen Logistikzentren des Konzerns überwachte. Heute, Dienstag, kündigte Amazon die Zusammenarbeit mit einer weiteren Firma, die unter anderem für die Unterbringung der in der Weihnachtszeit eingesetzten Zeitarbeiter verantwortlich war. "Die Leistungen für Unterkunft, Verpflegung, Transport und Sicherheit wurden von der Firma Amazon direkt an andere Dienstleister vergeben. Diese Dienstleister haben keine geschäftlichen Verbindungen zu Trenkwalder", stellt das Unternehmen mit Sitz in Niederösterreich klar.

Das tagelange Schweigen von Trenkwalder hat zuvor österreichische Gewerkschaften auf den Plan gerufen. PRO-GE und GPA-djp forderten am Dienstag von Trenkwalder Aufklärung über die erhobenen Anschuldigungen. "Die konkreten Vorwürfe sind so drastisch und schwerwiegend, dass ein Unternehmen, das laut Eigendefinition sehr stark das Prinzip der sozialen Verantwortung in den Mittelpunkt stellt, nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann, auch wenn es sich um Vorfälle in Deutschland handelt", kritisierten der Leitende Sekretär der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, Peter Schleinbach, und der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus und Papier (GPA-djp) Karl Proyer.

Zudem sollten österreichische Unternehmen ein Interesse daran haben, dass gute Arbeitsbedingungen und Mindeststandards von ihren (Partner-)Unternehmen auch im Ausland eingehalten werden. In Österreich wären "derartige Praktiken" aber kaum möglich, betonten die Arbeitnehmervertreter. Grund seien die besseren gesetzlichen und kollektivvertraglichen Bestimmungen bei der Arbeitskräfteüberlassung.

Seit 2011 in deutscher Hand

Die größte österreichische Leiharbeitsfirma Trenkwalder steht seit 2011 mehrheitlich im Eigentum des deutschen Beteiligungsunternehmens Droege Group International AG. Laut FirmenCompass hält die deutsche Special HR Holding aktuell 87,5 Prozent an der Trenkwalder Beteiligungs GmbH und die Trenkwalder Privatstiftung 12,5 Prozent. Firmensitz ist weiter in Brunn am Gebirge in Niederösterreich.

Das Unternehmen macht rund eine Mrd. Euro Umsatz, weitere Kennzahlen werden traditionell nicht bekanntgegeben. Aber nach Eigendefinition ist die Trenkwalder International AG "Marktführer in Österreich, Ungarn, der Slowakei und der Schwarzmeer-Region". Das Unternehmen ist mit mehr als 300 Standorten in 19 Ländern Europas vertreten und beschäftigt rund 70.000 Mitarbeiter.

Gegründet 1985, erhielt Firmengründer Richard Trenkwalder 1988 die Lizenz zur Arbeitnehmerüberlassung. 1992 entstand die erste Auslandsniederlassung in der Slowakei, 1999 folgte der Markteintritt in Deutschland und Ungarn. Mit dem Verkauf an Droege zog sich Trenkwalder 2011 aus der Unternehmensführung zurück. Richard Trenkwalder engagiert sich seit 2008 beim Fußball-Verein Admira Wacker und ist weiterhin Präsident des Clubs.

"Wir wollen Niedriglohnsektor eindämmen"

In Deutschland indes läuft die Politik seit Tagen in Sachen Amazon Sturm. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat vergangene Woche sogar eine Sonderprüfung gegen Trenkwalder eingeleitet und dem Unternehmen mit Lizenzentzug gedroht. Heute forderte auch die nordrhein-westfälische Landesregierung Konsequenzen."Wir wollen erreichen, dass die Leiharbeit neu reguliert wird", sagte der Arbeitsminister der Landesregierung, Guntram Schneider (SPD), den Zeitungen der WAZ-Gruppe (Dienstagsausgaben). Es müsse der Grundsatz "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" gelten.

"Wir wollen den Niedriglohnsektor eindämmen und einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn einführen", so Schneider weiter. So lasse sich Lohndumping konsequent bekämpfen. "Unsere Vorschläge liegen im Bundesrat auf dem Tisch." Schneider sagte, Amazon greife gerade in der Vorweihnachtszeit verstärkt auf Leiharbeitskräfte zurück. Grundsätzlich sei es nicht verwerflich, wenn Betriebe Leiharbeiter einsetzten. Problematisch werde es aber, wenn Unternehmen systematisch feste Arbeitsverhältnisse durch Leiharbeitsverträge ersetzten. "Der Verdacht liegt nahe, dass Amazon diese Strategie hat."

Kaugummipapier in der Hose löst Alarm aus

Auch Gewerkschafterin Sabine Busch, bei ver.di zuständig für den Amazon-Logistikstandort in Rheinberg am Niederrhein, kritisierte die Arbeitsbedingungen beim US-Onlinehändler. Ein großes Thema seien die zu knapp bemessenen Pausen, sagte Busch den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Jeder Mitarbeiter habe am Tag 45 Minuten Zeit für den Gang zur Kantine - das sei angesichts der zum Teil langen Wege in den Hallen und einer Wartezeit von mehreren Minuten an einer Sicherheitsschleuse zu wenig. Die Sicherheitsschleuse werde eingesetzt, um Diebstähle zu verhindern. Sie "meldet schon Alarm, wenn sich ein Kaugummipapier in der Hose befindet", sagte Busch. Am Standort Rheinberg wird es nach Angaben von ver.di am 13. März erstmals Betriebsratswahlen geben.

(APA/AFP/dpa-AFX)

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