EU will Managergehälter begrenzen

Europa solle dem Schweizer Beispiel folgen, meint EU-Kommissar Barnier: Aktionäre sollen über Managergehälter entscheiden, Transparenz sei nötig.

will Managergehaelter begrenzen
will Managergehaelter begrenzen
(c) REUTERS (FRANCOIS LENOIR)

Wien/B.l./Ag. In der Debatte um die Managergehälter hat sich nun EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier zu Wort gemeldet. Die Gehälter und Boni mancher Spitzenmanager ließen sich mit einer gerechten Einkommensverteilung nicht vereinbaren, sagte er zur „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er will nun dem Schweizer Beispiel folgen: Dort hat das Volk, wie berichtet, in einem Referendum entschieden, dass die Aktionäre direkt in der Hauptversammlung über die Höhe von Vorstandsgehältern entscheiden (und nicht bloß indirekt, indem sie den Aufsichtsrat wählen, der dann die Höhe der Managergehälter festlegt). Auch soll es künftig keine Begrüßungsgehälter und Golden Handshakes für Manager geben, die ihren Posten neu antreten bzw. ihn verlassen. Zuvor sorgte der Fall des scheidenden Novartis-Chefs, Daniel Vasella, für Aufsehen, der eine Abfindung von umgerechnet fast 60 Mio. Euro erhalten sollte (auf die er dann verzichtete).

Keine Maximalhöhe vorgesehen

Barnier will nun bis Jahresende einen Vorschlag vorlegen, demzufolge auch in der EU die Aktionäre von börsenotierten Firmen in der Hauptversammlung über die Höhe von Managergehältern entscheiden sollen. Auch sollte es mehr Transparenz geben: „Zum Beispiel könnten Informationen zu den Gehältern von Vorständen und Managern in einem jährlichen Bericht veröffentlicht werden“, meinte Barnier. „So könnten Öffentlichkeit und Investoren zwischen verschiedenen Unternehmen vergleichen.“

Eine Maximalhöhe von Gehältern will Barnier aber nicht festlegen. Zuletzt haben Jahresgehälter in zweistelliger Millionenhöhe für Aufregung gesorgt: So erhält Volkswagen-Chef Martin Winterkorn für das Vorjahr 14,5 Mio. Euro. Zugestanden wären ihm sogar 20 Mio. Euro an Festgehalt, Boni und weiteren erfolgsabhängigen Zahlungen, er verzichtete aber auf einen Teil des Geldes. „Wir können und dürfen keine Höchstwerte festlegen“, meinte dazu Barnier. „Was Boni für Banker angeht, können wir ein Verhältnis zum Festgehalt bestimmen. Das ist ein echter Fortschritt.“ Das EU-Parlament hat kürzlich beschlossen, die Bankerboni mit dem Doppelten des Jahresgehalts zu begrenzen. Argumentiert wurde das auch damit, dass in dieser Branche hohe Boni zu riskantem Verhalten verleiteten, was die Stabilität des Finanzsystems gefährde und den Steuerzahler zu Bankenrettungen zwinge.

SPD: Steuerzuckerln streichen

Indes hat sich der Chef der deutschen Sozialdemokraten, Sigmar Gabriel, dafür ausgesprochen, die steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern und Boni als Betriebsausgaben zu deckeln. Lieber wäre ihm zwar, die Unternehmen würden „selbst zur Besinnung kommen und diese unanständigen Managergehälter drastisch kürzen“, sagte Gabriel zum Magazin „Focus“. Sollte das aber nicht passieren, dann „werden auch solche Vorschläge auf den Tisch kommen, in denen der Gesetzgeber Obergrenzen und Bandbreiten schafft“.

Einen ähnlichen Vorschlag hat kürzlich auch der österreichische Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) gebracht („Die Presse“ berichtete): Schieder schlug vor, dass Gehälter von Managern ab einer Höhe von 500.000 Euro nicht mehr von der Steuer absetzbar sein sollten. Ein Plan, dem Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl nichts abgewinnen kann. Doch auch Leitl würde die Aktionäre in der Hauptversammlung über die Höhe der Vorstandsgehälter abstimmen lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2013)

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