Chinas Führung kämpft gegen Luxus

Da die neue Führung in Peking der Bestechung den Kampf angesagt hat, gehen die Verkäufe von Schweizer Luxusuhren im Reich der Mitte merklich zurück.

(c) EPA (ADRIAN BRADSHAW)

Peking. Chinas neue Führung macht Ernst mit der Korruptionsbekämpfung und verordnet Staatsbediensteten und Parteisekretären Sparsamkeit – mit Folgen für die Luxusindustrie.

Seit Chinas neues Staatsoberhaupt Xi Jinping der Korruption den Kampf angesagt hat, ist die Überführung von bestechlichen Parteisekretären für Internetaktivisten zum Volkssport geworden. Ein verrutschter Hemdsärmel, der beim Beamten die Omega-Uhr zum Vorschein bringt – schon ist er abgelichtet, und das Foto findet sich im Internet. Nun leidet jedoch vor allem die Schweizer Uhrenindustrie unter Chinas Anti-Korruptionskampagne. Die Luxusuhr als Statussymbol? Damit ist es erst einmal vorbei in China.

 

Auch Audi muss zittern

Aus dem Umfeld des Swatch-Konzerns wird berichtet, dass der Umsatz der Premiummarke Omega in China im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund acht Prozent gesunken ist. Offiziell will der Konzern diese Zahl nicht bestätigen und verweist darauf, dass Verkaufszahlen nach Ländern und Marken nicht kommuniziert würden. Dem Swatch-Konzern gehören 19 Uhrenmarken, darunter die Premiumnamen Breguet, Rado und Omega, aber auch Marken im mittleren Segment wie Tissot und Longines. Noch im vergangenen Jahr ist der Gewinn des größten Uhrenherstellers der Welt um 26 Prozent auf den Rekordwert von 1,3 Milliarden Euro gewachsen. Knapp ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftete das Schweizer Unternehmen in China.

Doch nun berichten Uhrenhändler im ganzen Land von Verkaufseinbrüchen, vor allem im oberen Preissegment. Stets nennen die Einzelhändler als Grund die Anti-Korruptionskampagne der neuen chinesischen Führung. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat Xi Jinping Staatsbedienstete zu mehr Bescheidenheit verdonnert. Extravaganz, Luxus und Pomp haben in China nichts mehr verloren.

Xis Anti-Korruptionskampagne trifft nicht nur die Uhrenbranche, sondern die gesamte Luxusindustrie. Regierungsangehörige sind bereits seit vergangenem Sommer angehalten, sich keine opulenten Produkte mehr zu kaufen. Untersagt sind ihnen zudem ausladende Bankette und die Unterkunft in teuren Hotels. Auch mit Oberklassewagen soll es für Staatsbedienstete schon bald vorbei sein, was vor allem die Automarke Audi treffen könnte, die bislang bevorzugten Fahrzeuge von Parteifunktionären.

Bislang gebe es keinen Verkaufseinbruch, heißt es von Audi offiziell. Den könnte es aber zeitversetzt geben, glauben Branchenkenner. Doch kaum eine Branche trifft es so hart wie jene der Luxusuhren. Die teure Uhr mit Preisen oberhalb von rund 5000 Euro hat sich in den vergangenen Jahren in China zum Inbegriff für Bestechung entwickelt. Wer beispielsweise einen Geschäftsabschluss plante, für den die Zustimmung des örtlichen Parteisekretärs nötig war, lud diesen zum Essen ein – und schob ihm dabei diskret auch eine unauffällige Schachtel mit einer Omega zu.

 

Rolex aus Auslage genommen

Dieser Praxis will Chinas neues Staatsoberhaupt nun ein Ende setzen. „Xi meint es ernst“, sagt Rupert Hoogewerf, Herausgeber des renommierten „Hurun-Report“, einer Art „Forbes“-Liste für Chinas Superreiche. Der Experte für Chinas Eliteklasse geht davon aus, dass die Führung ihre Kampagne gegen Bestechung lange durchhält. Er empfiehlt daher der Branche, auf eine neue Produktpalette zu setzen.

Wie aus dem Umkreis des Swatch-Konzerns zu hören ist, passiert genau das. So bietet der Schweizer Uhrenriese Händlern an, teure Rado-Uhren einzutauschen gegen neue Modelle, die sehr viel günstiger sind. Zudem will Swatch in China verstärkt auf Tissot und Longines setzen, Marken des mittleren Preissegments. Dieser Markt boome in der Volksrepublik auch weiterhin.

Auch die Einzelhändler reagieren auf die veränderten Marktbedingungen. So hat ein Ladeninhaber in der Innenstadt von Suzhou sämtliche Rolex-Uhren aus dem Schaufenster genommen. Das sei nicht mehr die Marke, für die sein Geschäft stehen wolle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2013)

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