Zinsmanipulation: Banken als „Klub der Banditen“

Die EU straft sechs Banken wegen Zinsmanipulationen mit 1,7 Mrd. Euro Strafe ab. Die nächsten Ermittlungen laufen schon. Wurden auch die Währungskurse manipuliert?

 Banken, Zinsmanipulationen, Deutsche Bank
 Banken, Zinsmanipulationen, Deutsche Bank
(c) EPA (SARA HOULISON)

Wien/Brüssel. Es ist die höchste je in Europa verhängte Strafe dieser Art: Die EU-Kommission verlangt von fünf internationalen Großbanken eine Zahlung von 1,7 Mrd. Euro als Strafe für die Manipulation des Libor-Zinssatzes. Allein die Deutsche Bank muss 725 Mio. Euro zahlen – die höchste Teilsumme. Die zweithöchste Strafe muss die Société Générale mit 446 Mio. zahlen, gefolgt von der Royal Bank of Scotland (RBS) mit 391 Mio. Euro. Auf JP Morgen und Citigroup entfallen 80 Mio. bzw. 70 Mio. Euro, der britische Broker RP Martin muss 247.000 Euro zahlen. Verschont bleiben die britische Barclays und die Schweizer UBS – sie haben die Ermittler als „Kronzeugen“ mit wichtigen Informationen versorgt.

Der Libor ist ein Referenzzinssatz für den Interbankenmarkt, Hypothekenzinsen werden beispielsweise auf Basis des Libors bestimmt. Insgesamt beeinflusst die Höhe des Libor Finanzprodukte im Wert einiger hundert Billionen (!) Euro – minimalste Manipulationen haben den Banken wohl fantastische Gewinne beschert. Die Deutsche Bank schob am Mittwoch die Verantwortung auf „einzelne Mitarbeiter“ – und verbot ihren Tradern sogleich, weiterhin in Chatrooms mit anderen Banken zu kommunizieren. Angeberische Nachrichten von Bankmitarbeitern hatten die Ermittler ursprünglich auf die Spur der Libor-Manipulationen gebracht.

 

Oligopol als „Das Kartell“

Pikanterweise steht die Deutsche Bank allerdings auch im Mittelpunkt des nächsten Manipulationsverdachts. So berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, dass Behörden in Deutschland und England inzwischen auch wegen eines Verdachts auf Manipulationen bei Währungskursen ermitteln. Der Währungsmarkt ist einer der größten überhaupt – der weltweite Umsatz im Devisenhandel hat sich seit 2001 fast verfünffacht: auf 5,3 Billionen Dollar. Und zwar pro Tag.

Die Liste der im Devisengeschäft stark aktiven Banken ist mit der Liste der am Libor-Skandal beteiligten Institute praktisch ident. Neben der Deutschen Bank tauchen auch Citi, Barclays, UBS, JP Morgan, RBS und HSBC wieder auf. In London wird täglich von Reuters ein Währungs-„Fixing“ ermittelt – um 16 Uhr. Rund um dieses Fixing sollen Banken gezielt Währungskurse manipuliert haben, um für ihre Bank einen zusätzlichen Profit zu erwirtschaften.

Laut „Süddeutsche“ sind vom Verdacht zwar vor allem kleinere Währungspaare betroffen – aber die fraglichen Summen bleiben im Bereich des Unvorstellbaren – für den klassischen Bankkunden. Zusätzlich sollen Währungshändler der verdächtigten Banken auch in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Die britische Aufsichtsbehörde FCA hat die Ermittlungen deswegen auch auf die privaten Accounts der Händler ausgeweitet.

Dass Banken auch Währungskurse manipulieren dürften, scheint auf den Märkten ein offenes Geheimnis zu sein. Unbeteiligte Händler nannten dieses Oligopol der Banken längst den „Klub der Banditen“ bei Ermittlern heißt es schlicht „Das Kartell“.

 

Auch Goldpreis unter Verdacht

Da ist es dann schon fast keine Überraschung mehr, dass auch im dritten potenziellen Manipulationsskandal wieder dieselben Banken im Mittelpunkt stehen: bei Gold. Auch da wird von der FCA und der deutschen Bafin nun ermittelt. Auch für den Goldpreis gibt es ein tägliches Londoner „Fixing“, das von Banken durchgeführt wird. Einige Goldexperten vermuten seit Jahren Manipulationen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2013)

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