Trübe Aussichten für Rohstoffe

Nach einer mehrjährigen Erholungsphase sind die Rohstoffpreise im Vorjahr wieder gefallen. Auch heuer ist keine Hausse in Sicht.

(c) EPA (WU HONG)

Rohstoffe finden nicht nur in der Industrie und anderen Wirtschaftszweigen Einsatz, sie gelten – neben Aktien, Anleihen, Immobilien und Cash – als eigene Anlageklasse. Von Bloomberg befragte Brokerhäuser empfehlen Investoren derzeit, sieben Prozent des Vermögens in Rohstoffe zu stecken. Die Idee dahinter: Man schützt sein Vermögen vor Inflation (da es sich um reale Werte handelt), und man profitiert von einem Wirtschaftsaufschwung (da dann die Nachfrage nach Rohstoffen anzieht).

Das Problem in den vergangenen zwölf Monaten: Die Inflationsängste sind in den Hintergrund getreten, das Wirtschaftswachstum in China, einem der größten Abnehmer von Rohstoffen, fiel mit 7,6 Prozent so niedrig aus wie seit Jahrzehnten nicht mehr, und dann kamen bei dem wichtigsten Anlegerrohstoff Gold sowie dem in vielen Indizes am stärksten gewichteten Grundstoff Öl noch weitere Faktoren hinzu: Gold wird als Ersatzwährung nicht mehr so stark nachgefragt wie im Jahr 2011. Die Angst vor einem Zerfall der Eurozone ist ebenso in den Hintergrund getreten wie die vor einer Hyperinflation. Aktien liefen hingegen gut und stellten eine Alternative für Anleger dar. Zwar hielt sich die Nachfrage nach physischem Gold (Münzen und Barren) stabil, die Bestände von börsenotierten Fonds, die mit Gold unterlegt sind, sind jedoch um 33 Prozent gefallen.

Mehr Öl gefördert. Und auf den Ölpreis, der im Vorjahr noch leicht gestiegen ist, drückt vor allem das Angebot: Ursache ist die Ausweitung der Produktion in Nicht-Opec-Ländern, allen voran in den USA, wo die Schieferöl-Förderung stark forciert wird: Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass die größte Volkswirtschaft der Welt 2015 auch zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen dürfte. Schon jetzt bremst das zusätzliche Angebot den Ölpreis aus. Öl der US-Sorte WTI, das vor Jahresende kurz die Marke von 100 Dollar pro Barrel übersprungen hatte, ist inzwischen wieder auf etwa 95 Dollar gefallen.

Für heuer wird dem Ölpreis eine Seitwärtsbewegung, dem Goldpreis ein weiterer leichter Rückgang prognostiziert. Die Ökonomen von Goldman Sachs erwarten, dass der Preis des Edelmetalls 2014 von derzeit 1230 auf 1050 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) nachgeben dürfte. Lediglich die Industriemetalle sollen sich wieder ein wenig erholen.

Nach einer Rohstoffhausse wie im Jahr 2007 schaut das nicht aus. Seit damals hat der S&P GSCI Spot Index, der die Wertentwicklung von 24 Rohstoffen abbildet, um 30 Prozent nachgegeben. Auch im Vorjahr haben Anleger wieder Geld mit Rohstoffen verloren. Auf Jahressicht liegt der Index fünf Prozent im Minus. Das ist weniger spektakulär als bei Gold (minus 27) und Silber (minus 35 Prozent), aber schlechter als bei Aktien von Rohstoffproduzenten: Der MSCI World Materials Sector Index, der neben Bergbaukonzernen wie BHP Billiton und Rio Tinto auch Chemiefirmen wie BASF und Du Pont enthält, ist in den vergangenen zwölf Monaten noch leicht gestiegen.

Harte Zeiten für Goldproduzenten. Schlimmer als Goldinvestoren erwischte es Aktionäre von Goldproduzenten. Der einschlägige Arca Gold Bugs Index rutschte auf Jahressicht um 54 Prozent ab. Ursache ist, dass der niedrige Goldpreis einige Minenprojekte unrentabel macht. Viele erwarten daher, dass genau das – nämlich dass weniger Gold gefördert wird – den Goldpreis wieder stützen könnte. Den Produzenten würde das aber erst an zweiter Stelle helfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2014)

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