Der Währungskrieg flammt wieder auf

Chinas Renminbi gegen den US-Dollar lautet das ultimative Duell auf dem Währungsmarkt. Aber noch regiert der Dollar - und die riskante Geldpolitik der US-Notenbank sorgt weltweit für Verwerfungen und Konflikte.

(c) EPA (MARK)

Wien. Dieses Statement des neuen indischen Notenbankchefs Raghuram Rajan wird es wohl in die (ökonomischen) Geschichtsbücher schaffen. „Die internationale Währungskooperation ist zusammengebrochen“, sagte Rajan Ende Jänner – nur wenige Tage nachdem er den Leitzins überraschend auf acht Prozent angehoben hatte.

Blicken wir weit zurück: Wie der Ökonom und Nobelpreisträger Robert Mundell schon 1997 schrieb, existiert seit 1971 „kein Währungssystem im eigentlichen Sinne des Wortes mehr“. Tausende Jahre lang seien die staatlichen Währungen an Edelmetalle oder andere Währungen gebunden gewesen. Die Wechselkurse waren in der Regel fix. Dies sei nicht mehr der Fall. Aber in den vergangenen vier Jahrzehnten gab es zumindest eine Kooperation beim Management der Wechselkurse – die laut dem indischen Notenbankchef jetzt „zusammengebrochen“ ist. Schuld daran ist die US-Notenbank Federal Reserve, die ihr einzigartiges Liquiditätsprogramm Quantitative Easing inzwischen von 85 Mrd. auf „nur“ 65 Mrd. Dollar pro Monat zurückgefahren hat, was zu einer Kapitalflucht aus den Emerging Markets in den Westen geführt hat. Das Problem: Der US-Dollar ist nicht nur das Geld der Vereinigten Staaten, sondern (in seiner Funktion als Währungsreserve und Zahlungsmittel für Öl) die Weltleitwährung.

 

Unsere Währung, euer Problem

Seit 2008 richtet die Fed ihre Geldpolitik aber immer stärker an den Bedürfnissen der heimischen Wirtschaft aus – und ignoriert den Rest der Welt. Gleichzeitig blockieren die USA jede vorgeschlagene Reform des Währungssystems. Weil es Washington weitaus mehr nutzt denn schadet, in der Mitte dieses Systems zu stehen. Oder, um es mit den Worten von Nixons Finanzminister John Connally zu sagen: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“

Und wie Mundell schon 1997 feststellte, ist es auch ganz normal, dass die Währung einer (ökonomischen) Supermacht eine zentrale Rolle im Währungssystem spielt: „Das war beim babylonischen Shekel so und beim persischen Dareikos – bis hin zum römischen Denar, dem britischen Pfund und dem US-Dollar.“ Aber seit die Goldbindung des Dollars 1971 aufgehoben wurde, befände sich das Geldsystem in einem Zustand, für das es keine historischen Beispiele gibt, so Mundell. Genau genommen gäbe es gar kein System, das diesen Namen verdiene. Es gab nur „König Dollar“, dessen Macht 2000 ihren Höhepunkt überschritt.

 

Erster Reflex: Abwertung

Anfang 2014 scheint aus der Sicht der Entwicklungsländer auch der letzte Rest internationaler Kooperation verschwunden zu sein. Jetzt ist jeder auf sich selbst gestellt. Und die nationalen Zentralbanken kämpfen meist an mehreren Fronten gleichzeitig. Erster Reflex: Abwertung der Währung, um der Exportindustrie Vorteile zu schaffen. So ist der russische Rubel seit Anfang des Jahres um 6,5 Prozent gefallen. Kasachstan (ein politischer Freund Russlands, aber auf dem Energiemarkt ein Konkurrent) hat daraufhin seine Währung (den Tenge) am Dienstag um 19 Prozent abgewertet. Kasachstan ist noch vor Russland der wichtigste Öllieferant Österreichs und hofft mit der Abwertung, sein schrumpfendes Außenhandelsplus zu stabilisieren.

Die Eurozone hat ihre eigenen Probleme, die über den Schuldenstand von Griechenland und Co. hinausgehen. Zwischen Frankreich und Deutschland tobt seit Jahren ein Konflikt über den richtigen Eurokurs. Frankreich will abwerten, um im Währungskrieg mithalten zu können – eine Technik, die in Paris noch aus Franc-Zeiten beliebt ist. Aber Deutschland wünscht sich einen Euro, der so stark ist, wie die D-Mark war.

Konkrete Front in dem europäischen Konflikt ist das Programm der Europäischen Zentralbank EZB zum Ankauf von Staatsanleihen. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat erst vergangene Woche gesagt, dass es „gewichtige Gründe“ dafür gäbe, dass das EZB-Programm „gegen das Verbot monetärer Haushaltsfinanzierung verstößt“. Die Entscheidung liegt jetzt beim EuGH. Aber führende deutsche Ökonomen machen schon gegen die Euro-Abwertungspläne des französischen Industrieministers Arnaud Montebourg mobil. Und der von Paris ebenfalls ungern gesehene deutsche Exportüberschuss würde sich nach einer Euro-Abwertung nur noch erhöhen.

Und während Japan mittels eines noch nie da gewesenen Gelddruckprogramms gegen die Deflation kämpft, hat Indien das gegenteilige Problem und versucht, die Inflation in Schach zu halten. Ähnliche Probleme gibt es in Südamerika, wo vor allem Brasilien eine inflationäre Überhitzung droht. Ebenso Argentinien und Venezuela. Auch Südafrika und die Türkei mussten die Zinsen anheben.

 

Wie viel Gold hat China?

Die wichtigste aller Fronten ist aber jene zwischen China und den USA. China verfolgt seit Jahren einen Langzeitplan, der die Landeswährung Renminbi (Yuan) schrittweise in die Mitte eines neuen Währungssystems rücken soll. Ein wichtiger Eckpfeiler dieses Plans scheint die Akkumulierung immer größerer Goldreserven zu sein.

China ist inzwischen gleichzeitig der weltweit größte Produzent und der größte Importeur von Gold – unklar ist aber, wie viel in privaten Händen und wie viel bei der Zentralbank landet. Die offiziellen Reserven belaufen sich auf rund 1000 Tonnen. Experten gehen aber davon aus, dass Peking inzwischen mindestens 5000 Tonnen aufgetürmt hat – was der Hälfte der Euro-Goldreserven entsprechen würde.

Aber anders als der inzwischen recht gut etablierte Euro spielt der Renminbi heute noch kaum eine internationale Rolle. Noch regiert „König Dollar“ – und er denkt gar nicht daran, die Krone abzugeben. „Chairman Mao“ muss sich noch gedulden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2014)

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