Greenspan: Menschen zu dumm für neue Technologien

Der langjährige US-Notenbankchef erklärt das hohe Einkommensgefälle in fast allen Industriestaaten damit, dass immer weniger Menschen fähig sind, mit dem technologischen Fortschritt mitzuhalten.

Der frühere Fed-Vorsitzende Alan Greenspan.
Der frühere Fed-Vorsitzende Alan Greenspan.
EPA

Alan Greenspan, der langjährige Präsident der Federal Reserve, erklärt das enorme Wachstum der Einkommensunterschiede in westlichen Volkswirtschaften wie den USA damit, dass immer weniger Menschen geistig mit dem technologischen Fortschritt mithalten können.

"Das grundlegende Problem ist, dass der durchschnittliche Intelligenzquotient in der gesamten Menschheitsgeschichte sich nie geändert hat, wir gleichzeitig aber einen wachsenden technologischen Fortschritt haben", sagte Greenspan am Mittwoch in Washington bei einer Diskussionsveranstaltung des Council on Foreign Relations. "Das System ist heute so komplex, dass immer weniger Menschen die Fähigkeit haben, mit dieser wachsenden Technologie produktiv zu arbeiten." Am Ende des Zweiten Weltkrieges habe in den USA ein Pflichtschulabschluss genügt, um die damals modernsten Technologien in den Stahlwerken und Autofabriken zu bedienen, führte er seine These aus. Der technologische Fortschritt seither haben dazu geführt, dass "eine immer kleiner Gruppe von Leuten das System führen kann."

Die derzeit weltweit angeregt diskutierte Kritik des französischen Ökonomen Thomas Piketty, wonach das vorherrschende kapitalistische Wirtschaftssystem die Anhäufung von Kapital gegenüber der Arbeit ungerechtfertig belohne, teilt Greenspan nicht: "Es ist nicht der Kapitalismus."

Einkommensungleichheit sei jedenfalls "eine sehr gefährliches politisches Phänomen". Allerdings hält er es nicht für zielführend, als Reaktion auf die Herausforderungen des technologischen Fortschritts das Bildungswesen zu stärken. "Das US-Bildungssystem kann niemals schnell genug reagieren." Greenspan schlägt zur Verringerung der Einkommensungleichheit vor, dass die USA mehr hochqualifizierte Zuwanderer ins Land lasse. "Jeder von uns hier im Saal wird dadurch subventioniert, dass wir unseren Konkurrenten nicht erlauben, ins Land zu kommen, weil dann all unsere Einkommen niedriger wären." Wie das allerdings schlecht ausgebildeten Menschen helfen soll, ließ er offen.

 

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