VW: Hoher Preis für das Wachstum

Konzernchef Winterkorn will die Gewinnmarge deutlich anheben. Der Volkswagen-Konzern mit seinen zwölf Marken zahlt jetzt den Preis für das rasante Wachstum der vergangenen Jahre.

File photo of German carmaker Volkswagen logo in Hamburg
File photo of German carmaker Volkswagen logo in Hamburg
File photo of German carmaker Volkswagen logo in Hamburg – (c) REUTERS (FABIAN BIMMER)

Wolfsburg. Wenn gleich mehrere Krisenherde die Welt – und damit die Wirtschaft – in Atem halten, klammern sich Aktionäre an jeden Strohhalm. Und so legten die Aktien von VW nach der Veröffentlichung der durchwachsenen Zahlen zeitweise um zwei Prozent auf ein Neun-Monats-Hoch zu. Die Anleger honorierten, dass VW seine Geschäftsziele trotz der Unsicherheiten durch die Ukraine-Krise und Währungsturbulenzen in Schwellenländern beibehielt.

Der Volkswagen-Konzern mit seinen zwölf Marken zahlt jetzt den Preis für das rasante Wachstum der vergangenen Jahre, das ihn vor Toyota zum Branchenprimus machen soll. VW büßte im zweiten Quartal um ein Drittel an Betriebsgewinn ein. Das konnten auch die beiden Ertragsstützen Audi und Porsche nicht ganz wettmachen. Im Konzern blieb daher ein Rückgang beim Betriebsgewinn von drei Prozent auf 3,3 Mrd. Euro. Der Umsatz ging um gut zwei Prozent auf 50,1 Mrd. Euro zurück. Das entsprach den Analysten-Erwartungen.

Konzernchef Martin Winterkorn hat ein Sparprogramm aufgesetzt, um die Kosten um fünf Mrd. Euro im Jahr zu senken. Dadurch soll die operative Rendite der Marke Volkswagen bis 2018 auf mindestens sechs Prozent gehievt werden. Im zweiten Quartal lag sie bei 2,3 Prozent nach mageren 1,8 Prozent zu Jahresbeginn. VW führt gerade mit gewaltigen Investitionen das neue Baukastensystem ein. Bei der modularen Technik können verschiedene Fahrzeugtypen mit gleicher Architektur auf einem Band gleichzeitig und somit günstiger produziert werden. Die neue Vielfalt hat aber Tücken: Besonders deutlich wird das in der Golf-Produktion in Wolfsburg, wo die Bänder wegen technischer Probleme immer wieder angehalten werden.

Seit Winterkorn Anfang 2007 das Steuer in Wolfsburg übernahm, ist der Konzernabsatz um mehr als die Hälfte auf 9,7 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Zur Jahresmitte lagen die Auslieferungen einschließlich der Lkw-Töchter MAN und Scania mit 5,066 Millionen Fahrzeugen nur noch 31.000 Stück hinter Toyota. Inzwischen steuert Winterkorn um. Statt Wachstum um jeden Preis will er künftig mehr an jedem verkauften Auto verdienen. (Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2014)

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