Frankreich: Mieten-Obergrenze dreht den Wohnbau ab

Ein dramatischer Einbruch im Wohnungsbau gefährdet die ohnehin zaghafte Konjunkturerholung in Frankreich. Experten geben die Schuld einem Gesetz, das Mieten begrenzt und Immobilienkäufe verkompliziert.

(c) Bilderbox

Paris. Die französische Regierung unter Staatspräsident François Hollande dürfte einen Einbruch auf dem inländischen Häusermarkt mit einer Mietenbegrenzung verschlimmert und den Wohnungsneubau auf das niedrigste Niveau seit mehr als 15 Jahren gedrückt haben. Das trübt nun die Aussichten für das Wachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euroraums.

Im zweiten Quartal wurden jedenfalls um 19 Prozent weniger Wohnbauten begonnen als im Vergleichsquartal 2013. Die Zahl der Baugenehmigungen – ein Maß der künftigen Bauaktivität – gab gleichzeitig um 13 Prozent nach.

Der Einbruch folgt auf ein Gesetz vom Anfang dieses Jahres, mit dem Wohnraum durch eine Begrenzung der Mieten in teuren Gegenden erschwinglicher gemacht werden soll. Um Hauskäufer zu schützen, verlangt das Gesetz auch mehr Unterlagen von den Verkäufern, was die Dauer der Transaktion bis zum Abschluss verlängert.
Paris passt die Vorschriften derzeit an. Doch der Schaden ist bereits angerichtet und droht, die kraftlose Erholung im Lande, die ohnehin schon hinter den Entwicklungen in Deutschland und Großbritannien hinterherhinkt, weiter zu schwächen.

Das Baugewerbe kollabiert

„Das Baugewerbe befindet sich im absoluten Kollaps“, sagt Dominique Barbet, Ökonom von BNP Paribas in Paris. „Dafür sind wohl die neuen Wohnbaugesetze verantwortlich.“ Barbet zufolge hat ein Rückgang im französischen Wohnungsneubau das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2013 um 0,4 Prozentpunkte geschmälert und das Wachstumstempo im ersten Jahresviertel um ein Drittel gedrosselt. Die Ausgaben in dem Sektor befanden sich im ersten Quartal gemessen am realen BIP auf einem Allzeittief.

Hemmnis für Investitionen

Die Flaute wird dadurch verschärft, dass sich die Immobilienpreise im Raum Paris in der Nähe ihrer Allzeithochs befinden und die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe auf einem Rekordniveau liegt.

„Die aktuellen Daten sind besorgniserregend und werden verheerend sein, wenn nichts unternommen wird“, sagte Pierre-Andre de Chalendar, Konzernchef von Saint-Gobain, im Juli. „Es scheint, als würde alles getan, um Investitionen in den Wohnungsbau zu hemmen.”

Ein Dämpfer beim Wohnungsbau bedroht das Ziel von Hollande, das BIP in diesem Jahr um ein Prozent zu steigern. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für Frankreich zuletzt von einem Prozent für 2014 auf 0,7 Prozent verringert. In Deutschland rechnet der IWF in diesem Jahr mit einem BIP-Anstieg um 1,9 Prozent und in Großbritannien mit 3,2 Prozent. Auch für Spanien sagt der IWF in diesem Jahr mit 1,2 Prozent ein stärkeres Wachstum voraus als für Frankreich. (red./Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2014)

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