Sberbank: Superzinsen bei Putins Banken

Trotz Sanktionen eröffnete die russische Sberbank in Deutschland eine Direktbank. Bei Problemen muss die österreichische Einlagensicherung einspringen.

People use an automated teller machine inside a branch of Sberbank in St. Petersburg
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Sberbank in St. Petersburg – (c) REUTERS (ALEXANDER DEMIANCHUK)

Wien/Frankfurt. Die staatliche russische Sberbank befindet sich auf Expansionskurs. Das Institut hat jüngst mit der Sberbank Direct in Deutschland eine eigene Direktbank gegründet. Weil der Aufbau eines Filialnetzes zu teuer ist, werden die Geldgeschäfte über das Internet abgewickelt werden. Um möglichst viele Kunden zu bekommen, wirbt die Sberbank mit besonders hohen Zinsen für Spareinlagen. Für täglich fälliges Geld gibt es 1,2Prozent pro Jahr plus einen Bonus für Neukunden von 0,1 Prozent. Dabei hat die Europäische Zentralbank vor Kurzem den Leitzins in der Eurozone auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt.

Wie passt das zusammen? Wegen der Ukraine-Krise haben die USA und die Europäische Union (EU) die Sanktionen gegen russische Staatsbanken verschärft. Wie können die Institute trotzdem ihr Geschäft in der EU ausbauen und Superzinsen zahlen? Dazu gibt es eine einfache Antwort: Die Sanktionen gelten nur für die russischen Mutterkonzerne. Deren Tochtergesellschaften in der EU sind von den Restriktionen ausdrücklich ausgenommen.

 

Österreich soll hier interveniert haben

Laut „Presse“-Informationen soll die Ausnahmeregelung unter anderem nach Interventionen der österreichischen Regierung zustande gekommen sein. Denn die russischen Staatsbanken haben ihre Zentralen für Westeuropa in Wien. Die österreichische Regierung soll befürchtet haben, dass es zu einem Bank Run gekommen wäre, falls auch die Österreich-Töchter der russischen Staatsbanken mit Sanktionen belegt worden wären. Und dann wäre unter Umständen die österreichische Einlagensicherung schlagend geworden.

Wer nun bei der Sberbank in Deutschland ein Konto eröffnet, hat nichts zu befürchten. Denn die Sberbank arbeitet in Deutschland mit einer österreichischen Banklizenz. Das bedeutet, dass im Fall einer Insolvenz Spareinlagen von bis zu 100.000Euro pro Kunde über die österreichische Einlagensicherung abgesichert sind.

Bereits in der Vergangenheit gab es Kritik, als die eine oder andere Bank mit besonders hohen Zinsen auf Kundenfang ging. Denn falls die Dinge schieflaufen, müssen die anderen österreichischen Banken über die Einlagensicherung für den Schaden aufkommen. Sind diese dazu nicht mehr in der Lage, kann sogar der österreichische Staat einspringen und eine Garantie übernehmen.

In Deutschland gibt es bereits drei russische Banken, die hohe Sparzinsen anbieten: Neben der Sberbank Direct handelt es sich um die VTB Direkt und die im Jahr 2012 von der Sberbank gekaufte Denizbank. Alle drei Institute wickeln ihr Deutschland-Geschäft über Wien ab und berufen sich dabei auf die österreichische Einlagensicherung. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Sberbank Direct und die VTB Direkt ihre Superzinsen nur in Deutschland anbieten. Österreichische Sparer sind für sie uninteressant, was mit der Kleinheit des österreichischen Markts zusammenhängen dürfte.

Einzig die Denizbank hat auch österreichische Privatkunden im Visier. Bei der in Wien ansässigen ehemals türkischen Bank ist zuletzt die Bilanzsumme um über 30 Prozent auf 6,95 Mrd. Euro gestiegen. Der Nettogewinn kletterte im ersten Halbjahr 2014 um 24 Prozent auf 59,72 Mio. Euro.

 

Bankenaufsicht wacht mit Argusaugen

Laut „Presse“-Informationen überwacht die österreichische Bankenaufsicht die Geschäfte der Österreich-Töchter der russischen Staatsbanken mit Argusaugen. Die Aufsicht will verhindern, dass die Moskauer Mutterkonzerne auf die in Österreich und Deutschland eingesammelten Kundengelder zugreifen und das Geld nach Russland abziehen.

Die Wiener Töchter haben auch die Möglichkeit, billiges Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufzunehmen. Doch das EZB-Geld darf nicht nach Moskau fließen, heißt es.

Die Agentur Fitch hat am Montag das Rating der Sberbank Europe, der Wiener Europa-Zentrale der russischen Staatsbank, bestätigt. Allerdings wurde die Bewertung mit einem „negativen Ausblick“ versehen. Dies hänge mit dem negativen Ausblick für die Muttergesellschaft zusammen. Fitch geht davon aus, dass die Sberbank Europe bei Bedarf vom russischen Mutterkonzern unterstützt wird.

Der Chef der Wiener Sberbank-Tochter, Mark Arnold, erklärte am Montag: „Ungeachtet der angespannten geopolitischen Situation halten wir an unserem Ziel fest, in den kommenden Jahren zu einer der führenden Banken in Mittel- und Osteuropa aufzusteigen.“ Das Institut versicherte erneut, dass die Sberbank Europe von keinerlei EU-Sanktionen betroffen sei und daher auch uneingeschränkten Zugang zu den europäischen Kapitalmärkten habe.

Aufsichtsratspräsident der Sberbank Europe ist Siegfried Wolf, der zudem Aufsichtsratschef der staatlichen österreichischen Industrieholding ÖIAG ist. Der frühere Bank-Austria-Chef Gerhard Randa sitzt ebenfalls im Kontrollgremium der Sberbank-Tochter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2014)

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