Banken: Hypo-Bieterschlacht geht ins Finale

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THEMENBILD: HYPO ALPE-ADRIA-BANK / Bild: (c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL) 

Am 11. Oktober soll feststehen, wer die Balkan-Tochter der Hypo kauft. Ein Konsortium um die bulgarische VIA Group ist bereit, Haftungen von zwei Milliarden Euro zu übernehmen.

 (Die Presse)

Wien. Es ist eines der bestgehüteten Geheimnisse dieser Republik. Am 11.Oktober soll es gelüftet werden, erfuhr „Die Presse“ aus Finanzkreisen. Dann soll feststehen, an wen die Südost-Tochter der Hypo Alpe Adria verkauft wird. Offizielles Statement gibt es weder aus dem Finanzministerium noch aus der Hypo. Im Bieterprozess wurde absolutes Stillschweigen vereinbart. Auch bei den Konsortien, die um die Balkan-Tochter der Kärntner Skandalbank mitbieten, blitzte „Die Presse“ mit Anfragen ab. „Kein Kommentar“, hieß es unisono.

In weniger also zwei Wochen erfährt nicht nur der größte und vor allem teuerste Wirtschaftskrimi dieses Landes eine neue Wendung, es ist vor allem Finanzminister Hans-Jörg Schelling (ÖVP), der entscheiden wird, wie teuer die Republik und somit die Steuerzahler die Hypo noch kommen mag.

Um die Hypo-Tochter mit ihren Geschäftsfeldern in Slowenien, Serbien, Kroatien, Bosnien und Montenegro überhaupt loszuwerden, mussten 17 Milliarden Euro an schwer verkäuflichen Immobilien und faulen Krediten rausgelöst und in eine Abbaugesellschaft ausgegliedert werden. Man hat also die unattraktive Braut so gut wie möglich herausgeputzt. Trotzdem wird es für die österreichischen Steuerzahler wohl kein gutes Geschäft werden. Der Buchwert der Hypo-Tochter lag lange Zeit bei 500 Millionen Euro, den wird aber wohl kein Bieter bereit sein zu zahlen. Informierte Kreise rechnen eher mit einem Betrag knapp über 200 Millionen Euro. Der Verkaufspreis dürfte ohnehin eher Nebensache sein. Es geht vor allem um milliardenschwere Haftungen, die übernommen – und dem österreichischen Staat – abgenommen werden sollen.

 

Noch zwei Bieter mit Chancen

Von den ursprünglich sieben Interessenten sollen mittlerweile nur noch zwei ernst zu nehmende Bieter im Rennen sein. Auf der einen Seite ist das der US-amerikanische Hedgefonds Advent International, auf der anderen ist es die bulgarische VIA Group, in deren Konsortium allerdings die russische Großbank VTB den Ton angibt.

Dem Londoner Investmenthaus Millhouse Capital werden in Finanzkreisen wenige Chancen eingeräumt. Millhouse hat sich dem bulgarischen Konsortium wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ nicht angeschlossen und ein eigenständiges Angebot abgegeben.

Hinter vorgehaltener Hand wird Advent, der aus Boston stammende größte US-Hedgefonds als Favorit gehandelt. Erst jüngst berichtete die Agentur Reuters, dass die Amerikaner sich zum Favoriten gemausert haben, obwohl sie nicht einmal das höchste Angebot gelegt haben dürften.

Advent soll dem Vernehmen nach aber weder den höchsten Kaufpreis noch eine Zukunftsperspektive für die Hypo-Tochter und deren Mitarbeiter bieten, heißt es. Die Bostoner sind Spezialisten im Resteverwerten. Ihr größter Trumpf: Sie bieten Sicherheit. Nichts fürchtet ein Finanzminister mehr als einen Bieter, der am Ende nicht hält, was er verspricht. Einen Finanzminister, dem die Staatsschulden davongaloppieren, ist eine zahlungskräftige „Heuschrecke“ möglicherweise lieber als ein Investor mit „Zukunftsfantasie“. Noch dazu, da sich die Heuschrecke Advent mit dem Partner Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung schmückt.

Mehr Fantasie könnte da schon die bulgarische VIA Group haben. Diese betreibt in Bulgarien eine Charterlinie und hält Beteiligungen unter anderem in der Holz- und Stahlindustrie sowie an einer bulgarischen Raffinerie. Tonangebend im Konsortium dürfte allerdings die VTB Bank sein. Sie ist die zweitgrößte Bank Russlands und mehrheitlich in Staatsbesitz. Ebenfalls im Team ist die ukrainische Delta Bank. Ukrainisch-russisches „Friedensprojekt“ hin oder her, die Konstellation scheint – so heißt es aus informierten Kreisen – in der derzeitigen geopolitischen Situation gewagt.

Auch die Frage der EU-Sanktionen gegen russische Banken spielt bei der Bewertung eine Rolle. Dabei soll das Konsortium dem Vernehmen nach bereit sein, Haftungen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro zu übernehmen.

 

VIA will Hypo weiterführen

Apropos Fantasie: Kolportiert wird auch, dass das VIA-Konsortium an einer Weiterführung der Hypo-Tochter interessiert sei. Sogar der Name Hypo Alpe Adria könnte beibehalten werden, immerhin habe die Bank in den Ländern in Südosteuropa einen durchaus guten Ruf. Sogar die Firmenzentrale könnte in Klagenfurt bleiben, wird kolportiert.

Ein Angebot mit Charme? Eine Weiterführung der Hypo-Tochter wäre gut für das Verhältnis Österreichs zu den Ländern in Südosteuropa, wird attestiert. Immerhin zählt die Hypo etwa in Kroatien und Bosnien noch immer zu den führenden Instituten.

Auch wenn es ursprünglich sieben Interessenten gab, die Entscheidung dürfte zwischen Advent und VIA fallen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2014)

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