Schwere Vorwürfe gegen H&M: Betriebsratsmobbing

Die deutschen Filialen von H&M sollen die Arbeit von Betriebsräten behindern. Mitarbeiterversammlungen sollen verboten, Telefon und Internet nicht bereitgestellt werden. H&M bestreitet die Vorwürfe teilweise.

(c) Bilderbox

Bei der deutschen Tochterfirma der schwedischen Textilkette Hennes & Mauritz sollen laut Bericht des "Stern-online" Betriebsräte bei ihrer Arbeit behindert werden. Dabei sind es nicht viele: Von den 325 Filialen in Deutschland haben lediglich rund 80 Geschäfte eine Arbeitnehmervertretung. Wollen die wenigen Betriebsräte ihre Funktion wahrnehmen, kann es leicht zu Gerichtsprozessen kommen. Die Arbeitnehmervertreter riskieren mit ihrem Einsatz einen Lohnabzug oder sogar die fristlose Entlassung.

 

Betriebsrat fehlt Internet und Telefon

Den Personalvertretern werden oft elementare technische Hilfsmittel wie Internet und Telefon verweigert. In einem Schauprozess klagte der Betriebsrat einer H&M Geschäftsstelle in Hannover die Nicht-Bereitstellung von Fax und Internetanschluss ein. Nachdem H&M vor dem Arbeitsgericht verlor, ging der Konzern weiter bis zum Bundesarbeitsgericht, doch auch dort erfuhr der Textilriese eine Niederlage. Dennoch lässt die Geschäftsleitung von H&M weiterhin Betriebsräte wegen der gleichen Angelegenheit vor Gericht ziehen.

Werte von H&M nicht richtig umgesetzt

Gegenüber dem 'Stern' behauptet H&M, dass Telefon, Fax und Internet natürlich zum Repertoire der Betriebsräte zählen würden. Zu den Prozessen schweigt der Textilkonzern. Er beteuert aber ''den Respekt vor der individuellen Entscheidung, einen Betriebsrat zu gründen''. Allerdings gibt H&M auch zu, ''dass unsere klaren Werte und Richtlinien nicht in der richtigen Weise umgesetzt werden'', so können laut Geschäftsleitung auch leicht Missverständnisse entstehen.

 

Kündigungsdrohungen an Betriebsrat

In den deutschen Filialen in Unterfranken und Niedersachsen soll mehreren Personen das Gehalt gekürzt worden sein, weil sie die Teilnahme an Gewerkschaftsseminaren nicht ankündigten oder die Betriebsleitung einen Betriebsrat für gar nicht notwendig befand.

In einem Brief an einen Betriebsrat heißt es etwa ''Im Wiederholungsfall musst Du mit einer fristlosen Beendigung des bestehenden Arbeitsverhältnisses rechnen.''

Mitarbeiter fürchten Geschäftsleitung

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) wirft dem deutschen H&M gezieltes Mobbing gegenüber den Betriebsräten vor. Betroffene Personen erzählen von Schikanen, systematischem Ausschluss und Ausgrenzung. Ein betroffene Person ist Erika Glaser. Sie wurde 2003 als Verkäuferin in einer H&M Geschäftsstelle zu einer Betriebsrätin gewählt. Von Beginn an war die Filialleitung darauf aus, Glasers Kollegen gegen das dreiköpfige Betriebsratsteam zu mobilisieren. Die Kollegen bekamen Angst mit den Betriebsräten zu sprechen, sie fürchteten eine Entlassung durch die Geschäftsleitung.

Eine andere Betriebsrätin der Augsburger Filiale, Alexandra Treusch, berichtet, dass in ihrem Geschäft Mitarbeiterversammlungen einfach verboten wurden. Das Briefgeheimnis sei nicht gewahrt worden, die Leitung öffnete angeblich öfters an den Betriebsrat gerichtete Post. H&M widerspricht diesen Darstellungen und bestreitet jemals eine Mitarbeiterversammlung verboten zu haben.

 

Siezen als Mobbing

Marlene Volkers betreut bei Ver.di in ganz Deutschland H&M Betriebsräte. Sie berichtet von den verschiedenen Strategien der Geschäftsführung, Betriebsräte zu mobben. So ist etwa das plötzliche Siezen, in einem Unternehmen in dem das Du obligatorisch ist, eine durchaus effiziente und diskriminierende Maßnahme.
Ver.di berichtet weiter, dass es bei dem deutschen Textilkonzern einen eigenen Mitarbeiter geben soll, der damit beauftragt ist, Neugründungen von Betriebsräten zu sabotieren. Die Sprecherin von H&M, Swetlana Ernst, bestätigt gegenüber dem 'Spiegel Online', dass es eine interne Vorgehensweise gegenüber der Gründung von Betriebsräten gibt. Allerdings sei das Konzept nicht dafür da, Betriebsratswahlen zu verhindern.

(Red.)

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