Fiat übernimmt serbische Zastava

Fiat hat zwei Drittel des serbischen Auto-Herstellers Zastava übernommen. Der Staat Serbien behält das verbleibende Drittel. Fiat will über eine Milliarde Euro in die neue "Fiat Srbija" investieren.

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EPA (Peer Grimm)

Der italienische Autobauer Fiat ist am Montag zum Mehrheitsbesitzer des serbischen Autoherstellers Zastava geworden. Der Vertrag über die Übernahme eines 67-prozentigen Anteils am serbischen Betrieb, der künftig den Namen "Fiat Srbija" tragen soll, wurde in Belgrad von Fiat-Chef Sergio Marchione und dem serbischen Vizepremier Mladjan Dinkic unterzeichnet. Der serbische Staat bleibt an dem Betrieb mit 33 Prozent beteiligt.

Auch Lkw-Produktion in Serbien

Bei der Vertragsunterzeichnung wurde auch ein Memorandum mit den Fiat-Tochterfirmen Iveco und Magneti Marelli über die Produktion von Lkw und Bussen sowie Komponenten für die Automobilindustrie im zentralserbischen Kragujevac unterzeichnet. Nach Angaben von Dinkic geht es um den bisher größten Vertrag Serbiens im Bereich der Industrieentwicklung. Die geplanten Gesamtinvestitionen von Fiat und den Tochterfirmen sollen auf knapp eine Milliarde Euro ansteigen, wodurch 4.750 neue Jobs entstehen dürften.

Fast eine Milliarde Investition

Konkret sieht der Vertrag die Investition von rund 700 Mio. Euro seitens Fiat in den serbischen Automobilbauer vor. Weitere 240 Mio. Euro sollen seitens der Fiat-Tochterfirmen in die Bus-, bzw. Komponentenproduktion investiert werden. An den zwei neuen gemeinsamen Firmen sollen die Italiener ebenfalls mit 70 Prozent beteiligt sein. "Serbien wird zum großen Wagenexporteur werden. 98 Prozent der Produktion sollen in die Europäische Union gehen", präzisierte Dinkic.

300.000 Autos pro Jahr geplant

Fiat will bis Ende 2009 in Kragujevac die Produktion eines neuen Modell der A-Klasse aufnehmen. Laut Medienberichten dürfte es um eine neue Version von Fiat Uno gehen. Geplant ist die Produktion von 200.000 Wagen. In der zweiten Phase soll ab 2010 auch ein Mittelklasse-Auto - getippt wird auf Grande Punto - gebaut werden. Die Gesamtproduktion in Kragujevac soll dann auf 300.000 Wagen jährlich ansteigen, wodurch die bisherige Rekordproduktion in der zentralserbischen Stadt - 220.000 Wagen im Jahre 1989 - übertroffen sein wird.

Keine Kommunalsteuer bis 2018

Die Stadtverwaltung von Kragujevac hat beschlossen, die Italiener von allen Kommunalsteuern bis Dezember 2018 zu befreien. Auch sollen Iveco, die in Kragujevac jährlich bereits 7.000 Lastkraftwagen herstellt, weitere 20 Hektar Boden zur Verfügung gestellt werden, um eine Anlage zur Bus-Produktion zu errichten.

Die Investitionen des serbischen Staates in den Autobetrieb sollen sich nach Angaben offizieller Stellen auf 50 Mio. Euro belaufen. Bedeutende Mittel - etwa 200 Mio. Euro - werden gleichzeitig für die notwendige Infrastruktur - Verkehrswege und die Modernisierung der Eisenbahn - aufgewendet.

Jobabbau bei Zastava beschlossen

Die neue italienische Geschäftsführung des Betriebes in Kragujevac will die Produktion von drei bisherigen Zastava-Modellen - "Yugo Skala", "Yugo Florida" und "Zastava 101/128" - vor Jahresende einstellen. Bis zur Aufnahme der Produktion des neuen Fiat-Modells im nächsten Jahr soll in Kragujevac nur noch die aufgrund einer früheren Einigung laufende Herstellung von Punto (Zastava 10) weiter gehen.

Von rund 3.700 Zastava-Beschäftigten werden in der ersten Phase etwa 1.000 Arbeitnehmer abgebaut. Für sie wurde ein Sozialprogramm vorbereitet. Arbeitnehmer, welchen weniger als fünf Jahre bis zur Pensionierung bleiben, werden mit 3.250 Euro entschädigt und sollen bis zum Antritt ihrer Pension monatlich 60 Prozent des serbischen Durchschnittslohnes (400 Euro) erhalten. Andere von der Kündigung betroffene Beschäftigte können mit einer Entschädigung in der Höhe von 300 Euro pro Dienstjahr rechnen.

Zastava durch Fiat entstanden

"Zastava" war vor 55 Jahren als Ergebnis der Zusammenarbeit mit Fiat entstanden. Im Betrieb wurden bis dato rund 4,1 Mio. Wagen hergestellt, rund 650.000 wurden in 76 Staaten exportiert. Die größte Popularität erreichte das nach einer Fiat-Lizenz gebaute "Zastava 600"-Modell. Zwischen 1955 und 1985, als die Produktion eingestellt wurde, wurden 930.000 Wagen hergestellt. Das "Geschäft des Jahrhunderts" erfolgte im Jahre 1987, als in den USA 48.000 "Yugo" verkauft wurden. Insgesamt wurden auf dem US-Markt 141.511 Fahrzeuge abgesetzt.

(c) Zastava

 

(APA)

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