Nazi-Spruch: Tchibo und Esso stoppen PR-Aktion

Tchibo warb auf 700 Esso-Tankstellen mit dem Slogan "Jedem den Seinen" für Kaffee. Der Spruch "Jedem das Seine" prangte bei den Nazis über dem Eingang des KZ Buchenwald.

KZ Buchenwald
KZ Buchenwald
(c) EPA (Martin Schutt)

Tchibo und Esso haben laut "Frankfurter Rundschau" nach einer Anfrage der Zeitung eine gemeinsame PR-Aktion gestoppt, die deutschlandweit an rund 700 Tankstellen unter dem Slogan "Jedem den Seinen" für Kaffeesorten warb. Den Spruch "Jedem das Seine" hatten die Nationalsozialisten missbraucht: Er stand über dem Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar. Geprägt hatte ihn der römische Staatsmann und Philosoph Cato der Ältere.

Tchibo-Sprecherin Angelika Scholz sagte der Zeitung, das Unternehmen habe "nie die Absicht gehabt, Gefühle zu verletzen". Sie räumte ein, der Slogan sei "unglücklich" gewählt. Esso-Sprecher Olaf Martin sagte, die beauftragte Werbeagentur habe die historische Bedeutung des Satzes offenbar nicht erkannt.

Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte dem Blatt, das Plakat sei entweder eine "nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit" oder ein Beispiel "totaler Geschichtsunkenntnis".

In den vergangenen Jahren hatten mehrere Firmen den Slogan für Werbezwecke benutzt und sich später entschuldigt. 1998 bewarb Nokia austauschbare Handy-Gehäuse mit dem Spruch. Auch Rewe konnte einen Prospekt nicht mehr stoppen, in dem es hieß: "Grillen: Jedem das Seine". Burger King und die Münchner Merkur-Bank verwendeten den Spruch ebenfalls.

(Ag./Red.)

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