Slowakei: In der Falle der Bürokratie

Immer stärker drängen slowakische Unternehmen nach Österreich. Aber viele scheitern hier an bürokratischen Hürden.

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Bratislava – (c) Stanislav Jenis (Stanislav Jenis)

Bratislava. Aus der Slowakei kommen längst nicht mehr nur Pflegerinnen nach Österreich. Immer mehr Unternehmen aus dem Nachbarland wollen hierzulande investieren. Ein stark steigendes Interesse sieht auch Mária Berithová, die Generalsekretärin der Slowakisch-Österreichischen Handelskammer: „Wir bekommen rund 300 Anfragen pro Jahr von slowakischen Firmen.“ Damit haben diese die früher stets dominierenden Anfragen österreichischer Firmen mit Interesse am slowakischen Markteintritt überflügelt.

Tatsächlich nach Österreich geschafft haben es aber bisher nur wenige: Gerade einmal 52 slowakische Firmen gründeten Niederlassungen in Österreich – vor allem Baufirmen, Gebäudereiniger, Personalvermittlungen und Händler. Zum Vergleich: Mehr als 2000 österreichische Firmen sind mit Niederlassungen in der Slowakei präsent.

Woran liegt es? Das Haupthindernis für den Markteinstieg slowakischer Unternehmen in Österreich sei längst nicht mehr die höhere Steuerbelastung, sondern vielmehr die für sie fremde Bürokratie, erklärt Berithová. „Viele slowakische Firmen unterschätzen die formalen Anforderungen“, warnt auch Juraj Bartakovics von der Slovak Business Agency.

Denn sie beginnen ihre Aktivitäten auf dem österreichischen Markt, noch bevor sie ausreichende Kenntnisse über die hier geltenden Regeln haben. Und das grenzt in den meisten Fällen an ökonomischen Selbstmord.

 

Komplex und unflexibel

Ein klassischer Fehler: zuerst mit der eigentlichen Tätigkeit beginnen und sich dann erst um die nötigen Behördenwege kümmern. In der Slowakei lassen sich viele Papiere nachreichen. Für manche Anfangsschritte kann auch schon der Nachweis genügen, dass eine Genehmigung beantragt wurde. Dementsprechend groß ist dann der Schock, wenn auf der österreichischen Baustelle schon am ersten Arbeitstag ein Kontrolleur auftaucht, der die ins Deutsche übersetzten Versicherungsnachweise aller dort Arbeitenden sehen will.

Wenn dann die slowakische Sozialversicherung ihre 45-Tage-Frist ausschöpft, bis sie bestätigt, dass die entsandten slowakischen Arbeiter im Heimatland korrekt versichert sind, kann die Verzögerung eine Strafe von mehreren tausend Euro einbringen. Für die meist kleinen Firmen ist das existenzgefährdend. Wilfried Serles von der Beratungsfirma IB Grant Thornton hat beobachtet, dass sich slowakische Unternehmen mangels anderer Quellen oft blind auf die Auskünfte ihrer österreichischen Geschäftspartner verlassen – und die seien häufig falsch: „Die Regelungen in Österreich sind so komplex, dass auch heimische Unternehmen sie oft nicht vollkommen verstehen. Wie sollen dann slowakische Unternehmen damit zurechtkommen?“

Das erklärt die Einbahnstraße bei den Direktinvestitionen. „Ganz offensichtlich“ sei es leichter für österreichische Firmen, sich in der Slowakei niederzulassen, als umgekehrt, stellt Zlata Šipošová fest. In der Slowakei bestehe auch noch kein so ausgebautes Netz an Beratungsinstitutionen wie umgekehrt für österreichische Firmen, die grenzüberschreitend tätig werden wollen, meint die Handelsdelegierte an der slowakischen Botschaft in Wien.

Berater Serles versprüht für die weitere Zukunft dennoch Optimismus: „Die slowakischen Unternehmen bieten gute Qualität zu einem soliden Preis. Deshalb sind sie längerfristig auch durch bürokratische Hindernisse nicht aufzuhalten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2014)

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