Studie: Händler kehren Amazon den Rücken

Die Zahl der Onlinehändler, die ihre Ware auf Amazon verkaufen, ging 2013 deutlich zurück. Ein Grund ist laut EHI eine Erhöhung der Gebühren um 70 Prozent.

(c) REUTERS (RICK WILKING)

Wien. Es ist eigentlich nur eine Nebenbemerkung in einer neuen Studie des deutschen EHI-Instituts über den Onlinehandel in Österreich. Aber eine sehr interessante: Im vorigen Jahr ist die Zahl der österreichischen Onlinehändler, die ihre Produkte (auch) über Amazon verkaufen, von 36,4 Prozent auf 23,6 Prozent zurückgegangen.

„Der Grund liegt darin, dass Amazon im April 2013 die Verkaufsgebühren für Verkäufer um bis zu 70 Prozent erhöht hat“, sagt Sascha Berens, Studienautor und EHI-Projektleiter für E-Commerce. Damit rentiere es sich für viele schlicht nicht mehr, auf Amazon zu verkaufen. Die Gebühren würden die gesamte Marge auffressen.

Bedenken müsse man bei den Zahlen aber, dass von 2012 auf 2013 auch einige neue Händler dazugekommen sind: „Die nützen Amazon jedoch weniger als schon länger bestehende Händler.“ An sich ist es aber durchaus üblich, dass Händler, die selbst einen Onlineshop betreiben, ihre Produkte auch über große Marktplätze wie Amazon und eBay anbieten, um ihre Reichweite zu erhöhen – eine nicht unumstrittene Strategie, wie Handelsexperte Gerrit Heinemann vom eWeb Researchcenter in Mönchengladbach meint: „Ich empfehle Händlern, sich das fünfmal zu überlegen, bevor sie ihre Ware auf Amazon anbieten, weil Amazon immer Eigeninteressen verfolgt. Jeder Handelspartner füttert Amazon an, der Algorithmus filtert Informationen heraus, zum Beispiel über Abverkaufsstrategien, die für Amazons Geschäft mit dem Eigensortiment nützlich sind“, sagt Heinemann.

 

Nur 100.000 Euro Umsatz

Allerdings zeigt eine Studie über den Onlinehandel mir Mode- und Freizeitartikeln, die von der Wirtschaftskammer in Auftrag gegeben wurde, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, online mit den großen Konzernen auch nur annähernd zu konkurrieren. „The winner takes it all“, sagt WU-Handelsexperte Peter Schnedlitz. Wenige große Player, international bekannte Marken und Generalisten wie Amazon oder eBay, lukrieren den Löwenanteil des Umsatzes.

Der Großteil der Einzelhändler kratze hingegen mit den Onlineshops gerade einmal an der 100.000-Euro-Umsatzgrenze. Womit in der Regel gerade einmal die Werbekosten hereingespielt wären.

 

Ein Onlineshop sei demnach nicht für alle Händler die optimale Lösung. Onlinepräsenz brauche es aber auf jeden Fall: „Eine professionelle Homepage ist die Visitenkarte des Händlers“, sagt Schnedlitz. Sinnvoll sei es für die meisten aber, die Kunden über den Online-Auftritt durch Gutscheine, Aktionen und Neuigkeiten ins Geschäft zu locken, anstatt online zu verkaufen.

„Dennoch sollten die Händler Amazon nicht kampflos das Onlinefeld überlassen“, sagt Heinemann. Eine Lösung könne sein, dass sich kleinere Händler regional zu Onlinekooperativen zusammenschließen, um Kosten zu sparen. Ein Vorteil solcher Kooperativen sei, dass Filialisten oft näher am Kunden dran seien als die Warenlager von Amazon.

Wie relativ Umsatzzahlen online sind, zeigt das EHI-Ranking der erfolgreichsten Onlineshops in Österreich 2013. Als einer der wenigen rein österreichischen Händler war Ditech auf Platz sieben ganz vorne mit dabei – mit einem Netto-Umsatz von 37,7 Mio. Euro. Im Frühjahr 2014 ging der Elektrohändler in Konkurs. Umsatzwachstum und Gewinn sind also auch im Onlinehandel zwei Paar Schuhe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2014)

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