Geheimaktion: Niederlande holen Gold aus USA heim

In völliger Geheimhaltung haben die Niederlande in den vergangenen Monaten 120 Tonnen Gold aus New York abgezogen. Die Ukraine hat derweil ein Drittel ihrer Reserven verkauft.

Gold bars from the vault of a bank are seen in this illustration picture taken in Zurich
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Gold bars from the vault of a bank are seen in this illustration picture taken in Zurich
(c) REUTERS (ARND WIEGMANN)

Wien/Den Haag/Kiew. Was den Deutschen nicht gelungen ist, haben die Holländer offenbar in absoluter Geheimhaltung durchgezogen. Wie die Nationalbank der Niederlande am Freitag per Aussendung bekannt gab, wurden in den vergangenen Monaten 122,5 Tonnen Gold aus den Tresoren der Federal Reserve in New York heimgeholt. Holland besitzt 612,5 Tonnen Gold – etwa das Doppelte von Österreich (280 Tonnen).

Vor der Rückholung lagerte die niederländische Nationalbank nur 70 Tonnen in der Heimat, 312 Tonnen in den USA, 122,5 in Kanada und 110 in London. Nach der Aktion lagern exakt 189,9 in den Niederlanden – und genau diese Menge weiterhin in den USA. Die Bestände in Kanada und England wurden nicht verändert. „Diese Anpassung der Nationalbank folgt anderen Zentralbanken, die einen größeren Teil ihrer Goldreseven im eigenen Land lagern“, heißt es in der Aussendung: „Neben einer stärker ausgeglichenen Verteilung der Goldreserven kann dies auch das Vertrauen in der Bevölkerung erhöhen.“

In den traditionellen Hartwährungsländern wie den Niederlanden, der Schweiz, Deutschland und auch Österreich wächst seit der Finanzkrise der Druck, die Goldreserven nicht mehr mehrheitlich im Ausland zu lagern. Die eiserne Reserve müsse sich im Land befinden, so das Argument.

 

Schweizer Abstimmung

In der Schweiz soll die Bevölkerung am 30. November sogar über eine Initiative abstimmen, die der Nationalbank, sollte sie angenommen werden, nicht nur weitere Goldverkäufe verbieten würde, sondern auch zum Kauf großer Mengen an zusätzlichen Reserven verpflichten würde.

Die Schweizerische Nationalbank wehrt sich aber energisch gegen das Vorhaben und betont, dass ihre Unabhängigkeit und Funktionstüchtigkeit als „Hüterin des Franken“ von der Initiative bedroht würde. Tatsächlich zeigt die zunehmende Transparenz der europäischen Notenbanken beim Thema Gold, dass man auf den Druck von außen ohnehin reagiert.

Die europäischen Zentralbanken (inklusive der Schweizerischen) haben ihre Goldverkäufe seit Jahren eingestellt. Die Notenbanken der Eurozone verfügen gemeinsam gar über 10.000 Tonnen Gold – und damit über die größten Reserven weltweit. Grob gerechnet halten die Notenbanken eine Unze Gold pro Bürger in der Eurozone. Die USA verfügen über 8000 Tonnen, China hat offiziell nur 1000 Tonnen – inoffiziell aber wohl schon viel mehr.

Trotzdem sind die Zentralbanken des globalen Ostens (China, Russland, etc.) verstärkt auf der Käuferseite zu finden, weil sie verglichen mit ihren Währungsreserven noch über vergleichsweise wenig Gold verfügen.

 

Ukraine verkauft rasch

Die österreichischen Goldreserven lagern zwar zum größten Teil im Ausland – aber nicht in den USA. 224 Tonnen (rund 80 Prozent) lagern in London, wo man „im Notfall“ auch damit handeln könnte. Rund sieben Tonnen sind in der Schweiz und rund 50 Tonnen lagern in Wien. Deutschland versucht hingegen seit mehreren Jahren, 300 Tonnen aus den USA zurückzuholen – hat damit aber offenbar Probleme. Bis Anfang dieses Jahres sollen Medienberichten zufolge nur fünf Tonnen geliefert worden sein.

Ein ganz anderes Problem hat die Ukraine. Sie hat im Zuge der anhaltenden Krise offenbar bereits einen großen Teil ihrer Reserven verkauft. Laut IWF allein 14 Tonnen. Derzeit besitze die Ukraine nur noch 26 Tonnen Gold, so der Währungsfonds.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2014)

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