Ratingagentur Fitch: Griechen-Austritt könnte Eurozone stärken

Die Finanznot Griechenlands ist akuter als vermutet: Die Regierung kann offenbar nicht mehr alle Beamten bezahlen. Unterdessen verliert der "Grexit" zunehmend an Schrecken.

Tourists stand under a Greek national flag atop Acropolis hill in Athens
Tourists stand under a Greek national flag atop Acropolis hill in Athens
REUTERS

Die dramatische Finanznot in Griechenland hat den Athener Regierungschef Alexis Tsipras nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" zu einem ungewöhnlichen Hilferuf veranlasst. Tsipras habe EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker telefonisch um ein kurzfristiges Treffen noch am Freitag gebeten, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise in Athen.

Juncker habe die Bitte nach einem Treffen noch am Freitag - vor allem mit Blick auf den Termin - abgelehnt, hieß es. Tsipras und Juncker seien übereingekommen, zunächst das Treffen der Euro-Finanzminister am Montag abzuwarten und danach über einen Termin zu reden. Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte laut "SZ" dazu lediglich, dass Juncker und Tsipras "in permanentem telefonischen Kontakt" stünden. Die griechische Regierung hat einen Bericht zurückgewiesen.

Fitch: Grexit würde Eurozone nicht sprengen

Unterdessen teilte die US-Ratingagentur Fitch mit, sie sehe in einem Abschied Griechenlands aus der Eurozone keine Gefahr für die Währungsunion. Ein sogenannter "Grexit" wäre zwar ein ziemlicher Schock, würde ihn aber nicht in eine ähnliche systemische Krise stürzen wie 2012, teilte Fitch mit.So sei eine Kettenreaktion bis hin zum Auseinanderbrechen der Eurozone unwahrscheinlich. Ein Grexit könnte vielleicht sogar die Institutionen im Euroraum und damit die Währungsunion stärken.

Der "Grexit" verliert zunehmend an Schrecken. Erst kürzlich riet der deutsche Top-Ökonom Hand-Werner Sinn den Griechen einmal mehr zum Euroaustritt.

Kein Gehalt für Hilfslehrer

Griechenland droht die Staatspleite, die auch zu einem Austritt aus der Eurozone führen könnte. Die Euro-Partner hatten kürzlich das geltende Hilfsprogramm für Griechenland um vier Monate bis Ende Juni verlängert. Damit hat das Land die Chance, wenn es versprochene Reformen in die Wege leitet, nach April wieder Hilfsgelder seiner Partner zu erhalten.

Die Finanzierungsprobleme Griechenlands sind akuter als erwartet.  Die Regierung Tsipras habe bereits im Februar nicht alle Staatsbediensteten bezahlen können, hieß es in der Zeitung weiter. Erstmals hätten etwa Hilfslehrer kein Gehalt bekommen.

Auch der kleinste Fehler könnte zu Zahlungsverzug und Pleite führen. Im März muss Athen Verpflichtungen im Umfang von gut 6,85 Milliarden Euro erfüllen. Die Kassen sind fast leer. Die Regierung habe Rentenkassen und andere öffentliche Institutionen aufgerufen, ihre Geldeinlagen an den Staat zu geben

EVP: "Griechen dürfen sich nicht durchmogeln"

Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber, warnte die Regierung in Athen vor diesem Hintergrund davor, sich mit Finanz- und Buchungstricks neues Geld zu beschaffen. "Es kann nicht angehen, dass die griechische Regierung versucht, sich über kreative Buchführung oder Tricks weiter durchzumogeln", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung (Freitag).

>>> Bericht in der "Süddeutschen Zeitung"

(APA/dpa)

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