Gold-Fixing geht nach hundert Jahren in Rente

Nach Manipulationsvorwürfen erfolgt die Feststellung des Goldpreises ab Freitag elektronisch.

Gold Production At Precious Metals Producer Oegussa GmbH
Gold Production At Precious Metals Producer Oegussa GmbH
Gold – (c) Bloomberg (Lisi Niesner)

Wien/London. Am heutigen Freitag wird der Goldpreis zum ersten Mal seit dem Jahr 1919 mithilfe eines neuen elektronischen Verfahrens ermittelt. Die Behörden versprechen sich davon mehr Transparenz auf dem 18 Billionen Dollar schweren Markt. Jeder könne die Auktionen dann verfolgen, ohne auf einen an dem Fixing beteiligten Händler angewiesen zu sein, teilte die ICE Benchmark Administration (unabhängiger Ausschuss) mit. „Können wir nun garantieren, dass es niemals wieder zu einer Manipulation kommt? Nein“, sagte ICE-Präsident Finbarr Hutcheson. „Aber die Überwachung ist stark.“

Noch bis zum Donnerstag wurde der Goldpreis von einer Handvoll Banken zwei Mal täglich im Rahmen einer Telefonkonferenz festgelegt. Doch Manipulationsvorwürfe erhöhten den Druck, die Art und Weise der Preisbildung zu reformieren. Den Banken wurde vorgeworfen, sie hätten ihre privilegierte Situation missbraucht, um sich einen Vorteil zu verschaffen. „Der fatale Fehler des Gold-Fixing-Prozesses ist, dass die Mitgliedsbanken die Informationen aus der Telefonkonferenz nutzen können, um mit Gold und Goldderivaten zu handeln, noch während die Konferenz läuft – und so den Preis für Gold und Goldderivate manipulieren, noch bevor das Ergebnis des Goldfixings der breiten Öffentlichkeit bekannt gegeben wird“, war 2014 in einer Klagsschrift zu lesen.

Die Deutsche Bank hatte sich im Mai des Vorjahres aus dem Fixing-Prozess zurückgezogen, nachdem sie ins Visier der Ermittler geraten war. Zum Schluss wurde der Preis nur noch von vier Banken ermittelt. Die Preise für Silber, Platin und Palladium werden bereits elektronisch festgestellt. (ag./red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2015)

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