IWF: „Rezession wird lang und schwer“

IWF glaubt nicht an rasche Erholung, Osteuropa wird besonders leiden. Die hiesigen Banken sind im CEE-Raum mit aushaftenden Krediten von rund 300 Mrd. Euro engagiert.

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(c) EPA (Marcus Brandt)

Wien (ju.).Die Rezession wird lange dauern, heftig ausfallen – und die Erholung nach der Krise wird sehr langsam vor sich gehen. Zu diesem wenig ermutigenden Schluss kommt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem am Donnerstag veröffentlichten „World Economic Outlook 2009“.

Die Experten des Währungsfonds haben sich den Ablauf von Wirtschaftsrückschlägen in den vergangenen Jahrzehnten angeschaut und sind zu folgenden Schlüssen gekommen:

• Rezessionen sind normalerweise kurz, der folgende Aufschwung ist markant. Das trifft aber nicht auf Wirtschaftsabschwünge zu, die mit Finanzkrisen einhergehen. Die tendieren dazu, in die Tiefe zu gehen und lange zu dauern. Beides – die Schwere der Rezession und deren Dauer – wird noch deutlich verstärkt, wenn solche Rezessionen – so wie jetzt – „global synchronisiert“ ablaufen.

• Antizyklische Krisenbekämpfungsmaßnahmen – etwa Konjunkturpakete zur Ankurbelung der Wirtschaft – sind laut IWF normalerweise „hilfreich“ bei der Abschwächung einer Rezession und bei der Beschleunigung des folgenden Aufschwungs. In dieser Krise seien solche Maßnahmen aber „weniger wirkungsvoll als normal“.

• Angesichts dieser Erkenntnisse müsse man davon ausgehen, dass die derzeitige Rezession wahrscheinlich „unüblich lange dauern und sehr schwer ausfallen“ wird. Die anschließende Erholung wird nicht allzu dynamisch vor sich gehen, meinen die IWF-Experten. Eine stark antizyklische Politik kombiniert mit Maßnahmen, die das Vertrauen in den Märkten wiederherstellen könnte, könnte die Aussichten auf Erholung aber verbessern.

 

„Aggressiv reagieren“

Dem Währungsfonds gehen die internationalen Antikrisenmaßnahmen – in deren Rahmen Billionensummen bewegt werden – offenbar nicht weit genug. Kurzfristig seien „aggressive monetäre und fiskalische Maßnahmen“ notwendig, heißt es im World Economic Outlook. Aber selbst die würden nicht ausreichen, wenn es nicht gelinge, möglichst schnell das verloren gegangene Vertrauen im Finanzsektor selbst wiederherzustellen.

Besonders betroffen von der Krise sind laut IWF die „Emerging Markets“, worunter auch die aufstrebenden Reformländer Osteuropas fallen. Das ist für Österreich besonders interessant. Denn die hiesigen Banken sind im CEE-Raum mit aushaftenden Krediten von rund 300 Mrd. Euro engagiert – und zittern um zumindest 10 bis 20 Prozent dieses Volumens.

Die bis vor Kurzem besonders in Österreich gepflegte These, dass sich die (bis dahin schnell wachsenden) Reformstaaten von der globalen Rezession abkoppeln können, ist laut IWF widerlegt: Finanzieller „Stress“, wie er massiv ab dem dritten Quartal des Vorjahres aufgetreten ist, überträgt sich eins zu eins von entwickelten Märkten in die „Emerging Markets“. Und zwar um so schneller und heftiger, je intensiver die Verbindungen der Banken in diese Länder sind.

 

Osteuropa stark betroffen

Osteuropa, dessen Bankensystem wesentlich von westeuropäischen Instituten dominiert wird, sei über diesen Kanal sehr schnell in die Krise hineingezogen worden und sei jetzt besonders betroffen: Die Verbindlichkeiten Osteuropas gegenüber westeuropäischen Instituten seien die höchsten aller „Emerging Markets“.

Ähnliche Situationen während der Lateinamerika-Krise in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts hätten gezeigt, dass in einer Finanzkrise die Kapitalströme von entwickelten in weniger entwickelte Volkswirtschaften sehr stark reduziert werden. Das treffe die Wirtschaft in diesen Regionen hart.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2009)

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