Steuern: Niederlande kontrollieren alle Bankgeschäfte

Auch Zahlungen von Touristen, die in den Niederlanden ihre Bankomat- oder Kreditkarte zücken, werden überwacht und bei Verdacht genauer unter die Lupe genommen.

Kreditkarten
Kreditkarten
Kreditkarten – (c) APA/dpa/Boris Roessler (Boris Roessler)

Den Haag. Nichts ist mehr unmögliche im digitalen Zeitalter. Die Geheimdienste zapfen Telefongespräche an und hören mit, was wir zu sagen haben. Videokameras überwachen uns ständig fast überall, wo wir stehen und gehen. Die Niederlande gehen jetzt einen Schritt weiter. Sie überwachen bereits seit drei Jahren den gesamten Zahlungsverkehr ihrer Bürger auf den Bankkonten und mit deren EC- und Kreditkarten– auch den von Touristen. Mehr als hundert Millionen finanzielle Transaktionen hat der niederländische Steuerfahndungsdienst Fiod (Fiscale Inlichtingen en Opsporingsdienst) in den vergangenen drei Jahren registriert. 1300 Fiod-Steuerfahnder sind aktiv, um diesen gigantischen Datenberg nun auszuwerten.

„Wir haben 1000 Personen herausgefiltert, deren Zahlungen nun genauer unter die Lupe genommen werden“, kündigt Fiod-Chef Hans van der Vlist an. „Es geht dabei um Ankäufe von Autos oder teuren Uhren.“ Auch größere Barabhebungen werden unter die Lupe genommen, wenn sie mit einer ausländischen EC- oder Kreditkarte getätigt worden sind. „Wir wollen von diesen Leuten wissen, wie viel Geld auf ihren Bankkonten im Ausland steht.“ Es gehe darum, die im Ausland von Niederländern geparkten Schwarzgelder aufzuspüren. Die Fahndung nach dem Schwarzgeld laufe auf Hochtouren. Gleichzeitig werde den Schwarzsparern aber angeboten, sich freiwillig zu melden und mit dem Fiskus eine Regelung zu treffen. Bisher hätten 29.000 Schwarzsparer von dieser Regelung Gebrauch gemacht und sich freiwillig angezeigt.

 

Abkommen mit der Schweiz

Bei einer Selbstanzeige würden dann keine Bußgelder fällig, sagt der Fiod-Chef, Hans van der Vlist. Der Druck auf die niederländischen Schwarzsparer wurde aber auch dadurch erhöht, dass Holland mit der Schweiz ein bilaterales Abkommen schloss. Darin wurde zwischen Den Haag und Bern vereinbart, dass die Schweiz den Niederlanden Informationen über Konten, die niederländische Bürger in der Eidgenossenschaft haben, freigibt, wenn der Verdacht auf Steuerhinterziehung besteht.

Nun soll die Steuerfahndungsbehörde Fiod, die schon so eine Art Big Brother ist, noch weiter ausgebaut werden. Sie bekommt eine Fahndungseinheit gegen das Weißwaschen von Drogengeldern. Denn in der niederländischen Drogenszene wird viel Geld verdient. Vor allem deshalb, weil die sogenannten Coffeeshops, in denen man weiche Drogen wie Hasch für den Joint frei kaufen kann, bevorratet werden müssen. Der Haschhandel und -anbau ist Big Business in den Niederlanden. Und die Drogendealer machen ihre Geschäfte immer schwarz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2015)

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