Zahl der Bankfilialen könnte sich in 20 Jahren halbieren

In Deutschland wird laut einer Studie ein Filialsterben erwartet. In Österreich mit noch mehr Bankfilialen zeigt sich ein ähnliches Bild. Demografie und Internetgeschäft setzen den Kreditinstituten zu.

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Zahl der Bankfilialen könnte sich in 20 Jahren halbieren – (c) Bruckberger

Die Zahl der Bankfilialen in Deutschland könnte sich in den kommenden 20 Jahren fast halbieren. Ein Szenario, wonach rund 14.600 Zweigstellen der Banken und Sparkassen bis 2035 schließen werden, hält die Förderbank KfW für "sehr realistisch", wie aus einer am Freitag in Frankfurt am Main veröffentlichten Studie hervorgeht. Vor allem im ländlichen Raum werde sich das Filialnetz weiter ausdünnen. 2014 haben laut Deutscher Bundesbank in Deutschland 900 Filialen von Banken und Sparkassen geschlossen.

In Österreich gab es im Vorjahr laut einer Untersuchung der Boston Consulting Group (BCG) noch etwa 4100 Bankfilialen in Österreich. Im internationalen Vergleich gilt die Republik als „overbanked“. So kommen laut BCG hierzulande 1700 Kunden auf eine Bankfiliale. „Einige der heimischen Bankfilialen sind richtige Zombiefilialen – die haben oft gar keinen Kunden am Tag“, sagte Holger Sachse, Bankenexperte bei BCG. Die Marge bei Spareinlagen habe sich von zwei bis 2,5 Prozent auf vielleicht nocht 0,25 Prozent reduziert, so Sachse. Er prognostierte das Verschwinden eines Drittel der österreichischen Filialen.

Für Italien rechnet der  Verwaltungsratspräsident der italienischen Bank Monte Paschi di Siena (MPS), Alessandro Profumo, mit einer Halbierung der Zahl der Bankfilialen in den nächsten zehn Jahren. "Die Banken werden in zehn Jahren radikal anders als heute sein. Sie werden weniger als die Hälfte der heutigen Filialen haben", sagte Profumo gemäß der Mailänder Wirtschaftszeitung "Milano e Finanza".

Online-Banking und Online-Banken

Die Gründe für das Filialsterben liegen der KfW-Studie zufolge auf der Hand: einerseits die Digitalisierung der Bankprozesse, andererseits der demografische Wandel. Vor allem in Ostdeutschland, wo die Bevölkerungszahl rapide zurückgehe und somit auch die Wirtschaftskraft der Regionen abnehme, lohne es sich für Kreditinstitute immer weniger, ihre Zweigstellen zu betreiben, heißt es in der Studie. Bereits heute müssten Bankkunden in Ostdeutschland im Schnitt vier Kilometer weiter zur nächsten Bankfiliale fahren als im Westen der Republik. Im Osten teilen sich demnach durchschnittlich 3.700 Kunden eine Filiale, im Westen 2.500.

Doch die Digitalisierung setzt die Banken deutschlandweit unter Druck. Schon heute nutzen zahlreiche Bankkunden Online-Banking und betreten die Filialen deutlich seltener als noch vor einigen Jahren. Hervorzuheben sei auch die "zunehmende Konkurrenz von Online-Instituten", heißt es in der Studie. Gemeint damit sind Banken, die ihre Produkte nur im Internet anbieten und über keine Filialen verfügen.

Finanz-Start-Ups ohne Finanberater

Neben klassischen Banken setzt auch die steigende Anzahl kleiner Finanztechnologie-Start-ups, sogenannter Fintechs, den Banken zu. Verbraucher können über sie beispielsweise Kredite beantragen oder Geld anlegen, ohne mit einem Finanzberater einer Bank zu sprechen - dank transparent und verständlich aufbereiteter Online-Angebote.

Die Digitalisierung bringt der Studie zufolge aber auch Chancen für die klassischen Finanzinstitute mit sich: Sie eröffne auch ihnen "neue Wege der Kundenberatung und -versorgung mit Finanzdienstleistungen". Auch offline gebe es bereits Konzepte, die die Versorgung speziell in dünn besiedelten Regionen gewährleisten sollen, heißt es in der Studie. Genannt wird eine mobile Filiale, der "Große Emma"-Bus.

 

 

(APA/AFP/red.)

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