Imtech: Eine Firma, die Angst macht

Der niederländische Bautechnik-Konzern Imtech wurde einst von der Königin in den Adelsstand erhoben, nun kämpft die Firma ums Überleben.

(c) APA/EPA/BAS CZERWINSKI (BAS CZERWINSKI)

Wien/Amsterdam. Kein anderes Großprojekt hat in Deutschland so viel Ärger verursacht wie der neue Berliner Hauptstadtflughafen. Die Baukosten sind explodiert. Die Fertigstellung sollte ursprünglich im Jahr 2011 erfolgen, nach mehreren Verschiebungen soll es nun im zweiten Halbjahr 2017 so weit sein.

Zuletzt gab es Befürchtungen, dass auch dieser Termin nicht eingehalten werden kann. Denn in der Vorwoche hat die deutsche Tochter des niederländischen Bautechnikkonzerns Imtech Insolvenz beantragt. Imtech spielt bei der Errichtung des Berliner Flughafens eine wichtige Rolle. Das Unternehmen ist unter anderem für die Arbeiten an den Brandschutzanlagen zuständig.

Die „Zeit“ berichtete, dass der Stillstand am Berliner Flughafen zu einem Geldregen für den Konzern geführt haben soll. Denn, wenn ein Bauprojekt in Verzug gerate, sollen die Auftraggeber den Firmen nicht selten Beschleunigungszahlungen genehmigt haben, ohne die Vorgänge genau geprüft zu haben. „Geld mit Stillstand verdienen ist die Königsdisziplin von Imtech“, soll ein Mitarbeiter eines Bauamtes der „Zeit“ gesagt haben. Die Firma bestreitet die Vorwürfe und versichert, niemals auf das Geschäftsmodell Stillstand zu setzen.

Nach mehreren Problemen beantragte der holländische Mutterkonzern am Dienstag Gläubigerschutz. Ein Insolvenzverwalter soll nun prüfen, wie es weitergeht. Bei den Aktionären herrscht Panik. Der Kurs der Aktie brach um 25 Prozent ein. Imtech ist weltweit an der Errichtung vieler Prestigeprojekte beteiligt. Der Konzern ist auch in Österreich tätig. Bei der Firma Imtech Austria Anlagentechnik mit Sitz in Linz hieß es am Dienstag gegenüber der „Presse“, man brauche sich keine Sorgen machen. An welchen Projekten man derzeit in Österreich arbeitet, wollte die Firma nicht bekannt geben.

Auf der Homepage steht, dass Imtech Austria die elektronische Ausrüstung für den Verwaltungsneubau der Österreichischen Bundesbahnen übernommen hat. Allerdings soll dieses Projekt schon fertig sein, hieß es.
Laut früheren Medienberichten soll Imtech auch für zwei Autobahntunnels engagiert worden sein. Österreich dürfte für den niederländischen Konzern aber relativ unbedeutend sein, denn das Unternehmen beschäftigte hierzulande nur 25 Mitarbeiter.

 

Ermittlungen in Deutschland

In seinem Heimatland war Imtech mit einem Umsatz von vier Milliarden Euro und 22.000 Beschäftigten einst ein Musterbetrieb. Sogar das niederländische Königshaus war begeistert. Der Konzern wurde 2011 in den Adelsstand erhoben. „Ihre Königliche Hoheit, die Königin der Niederlande, hat entschieden, Imtech das Recht zu gewähren, sich fortan Royal Imtech zu nennen“, teilte der damalige Vorstandschef mit. Royal Imtech heißt die Firma noch immer, obwohl sich die Probleme häufen.

Begonnen hat der Absturz 2013. Damals verbuchte der Konzern einen Verlust von rund 700 Millionen Euro. Schuld daran waren Betrugs- und Untreuefälle. In Deutschland wurden der Umsatz und der Gewinn durch falsche Angaben aufgebläht. Auch wenn dort das Topmanagement ausgewechselt wurde, läuft nicht alles nach Plan. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Korruption und wettbewerbswidriger Absprachen.

In Österreich gibt es keine Ermittlungen, wie die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft am Dienstag erklärte. Zumindest die Berliner können aufatmen: Der Insolvenzverwalter von Imtech Deutschland erklärte, die Arbeiten am Berliner Flughafen würden fortgesetzt. Man liege mit den Leistungen „voll im Zeitplan“.

Auf einen Blick

Die niederländische Bautechnik-Firma Imtech beantragte am Dienstag Gläubigerschutz. Denn die Verhandlungen mit Kreditgebern über eine Finanzspritze sind gescheitert. Nun soll ein Insolvenzverwalter klären, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. An der Börse stürzte die Aktie von Imtech ab. Imtech war lange Zeit ein Musterbetrieb, doch vor allem in Deutschland häuften sich die Probleme. In der Vorwoche hat die Deutschland-Tochter Insolvenz beantragt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2015)

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