"High Noon" im Machtkampf zwischen Porsche und VW

Die Eigentümer-Familien treffen sich am Montag bei einer Aufsichtsratssitzung. Porsche-Mitarbeiter planen Proteste gegen Ferdinand Piech.

VW-Porsche
VW-Porsche
(c) AP (Michael Probst)

Erstmals seit den umstrittenen Äußerungen von VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piech zur Zukunft des Sportwagenbauers treffen die Eigentümerfamilien am Montag bei einer Aufsichtsratssitzung zusammen - ein "High Noon" im laufenden Machtkampf. Parallel dazu planen die Porsche-Beschäftigten im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen, in Weissach sowie am Standort Ludwigsburg Protestveranstaltungen gegen Piech.

Bereits um 09.00 Uhr sind Informationsveranstaltungen zur Situation und Zukunft der Porsche AG geplant, zu denen der Betriebsrat am Freitag aufgerufen hat. Wie die Nachrichtenagentur AP am Samstag weiter erfuhr, soll am späten Vormittag die Aufsichtsratssitzung in Weissach stattfinden. Porsche-Sprecher Albrecht Bamler bestätigte ohne Angaben von Zeiten den Termin, zu geplanten Inhalten des Treffens wollte er sich nicht äußern. Auch zu Presseberichten nahm er keine Stellung.

Bisher hat weder Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche persönlich noch die Porsche AG öffentlich zu den Äußerungen Piechs Stellung genommen. Der 72-jährige VW-Aufsichtsratschef, der auch Miteigentümer von Porsche und Mitglied von dessen Aufsichtsrat ist, hatte am Rande einer Autovorstellung auf Sardinien erklärt, der Sitz des neuen gemeinsamen Konzerns werde der bisherige VW-Standort Wolfsburg sein und Porsche müsse zudem seine finanziellen Schwierigkeiten selbst lösen.

Laut "Spiegel" hat Piech bei Porsche auch damit Unmut ausgelöst, dass er den Preis für den Verkauf des Sportwagenbauers heruntergeredet habe. Auf die Frage, ob der Wert von elf Milliarden Euro für Porsche richtig sei, soll er geantwortet haben: "Das ist sicherlich ein Paar Milliarden zu hoch gegriffen." Porsche-Vertreter sehen dem Blatt zufolge hierin einen Verstoß gegen das Aktienrecht, weil womöglich vor allem Vorzugsaktionäre von Porsche bei einem möglichen Zusammenschluss mit VW oder einem Verkauf an den Wolfsburger Konzern auf Schadenersatz klagen könnten.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hatte Mitte der Woche eine juristische Prüfung der Frage angekündigt, ob Piëch mit seinen Äußerungen gegen die den Aufsichtsräten per Gesetz auferlegte Treue-, Sorgfalts- und Verschwiegenheitspflicht verstoßen habe. Piëch hatte den Vorwurf umgehend zurückgewiesen. Laut "Spiegel" erkennen auch seine Anwälte keinen Verstoß gegen das Aktienrecht.

"Piech hat uns verraten"

Auf einer Betriebsratssitzung am Freitag soll Hück nach einem Vorausbericht des "Focus" erklärt haben: "Piech hat uns verraten. Er hat hier nichts mehr verloren." Die rund 8.000 Beschäftigten samt Ingenieuren und Führungskräften wollen dem Bericht zufolge am Montag so lange nicht arbeiten, wie sich Piech auf dem Werksgelände aufhält, und ihn mit Protestplakaten empfangen.

Nachdem sich die Eigentümer-Familien Porsche und Piech - Ferdinand Piechs Mutter war eine geborene Porsche - Anfang Mai bei einem Treffen in Salzburg auf eine Fusion des hoch verschuldeten Sportwagenbauers mit dem VW-Konzern geeinigt hatte, waren vergangenen Montag die Gespräche über den neuen Auto-Giganten auf Arbeitsebene gestartet.

Einzelheiten sollten die Vorstände beider Firmen innerhalb von vier Wochen ausarbeiten, wie am 6. Mai vereinbart worden war. Auch Minderheitsaktionär Niedersachsen und die Arbeitnehmervertreter sollten eingebunden werden. Ohne ihre Zustimmung ist die geplante Neuausrichtung unmöglich.

Seitdem gab es zahlreiche Spekulationen sowohl über Personalfragen als auch über den zukünftigen Firmensitz und das Thema Finanzen.

 

(Ag.)

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