Das Geschäft mit Online-Partnerbörsen

Die Kuppelseiten im Internet machen ihr Geld mit einer sicheren Ware: der Suche nach der großen Liebe. Sieben Millionen deutschsprachige Singles suchen aktiv, die Umsätze wachsen Jahr für Jahr um 40 Prozent.

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Es gibt sie noch, die Geschichten wie aus einem alten Bilderbuch: Kennenlernen mit Anfang 20, schnell heiraten, bald darauf Kinder. Und wenn sie nicht gestorben sind . . .

Nur der Anfang, der war bei Patrick G. und Simone B. nicht wie im Bilderbuch. Zumindest nicht wie in einem alten. Sie, damals 22, Wirtschaftsstudentin und er, 25, angehender Jurist, haben sich beide irgendwann vor fünf Jahren in Wien vor ihren Computer gesetzt, sich bei der Onlinesinglebörse Love.at eingeloggt, Profile fremder Menschen studiert, in denen diese ihre Persönlichkeit, ihr Leben und ihre Erwartungen beschreiben, und überlegt, wer denn passen könnte.

Und das tun immer mehr Menschen. Das schmuddelige Image, den Beigeschmack, dass im Internet nur hoffnungslose, einsame Fälle suchen, die sich das im echten Leben nicht trauen, das verlieren die Kuppelseiten. Mehr als sieben Millionen Singles suchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz jeden Monat aktiv im Internet nach der Liebe. Und immer mehr von ihnen bezahlen auch dafür.

 

Drei Dates: Sex. Erst beim sechsten Rendezvous wird mehr daraus.

Ein sicherer Markt: Mehr als 50 Millionen deutschsprachiger Singles haben sich online schon bei einer Singlebörse registriert, statistisch sind das 40 Prozent aller Menschen im „beziehungsfähigen Alter ohne feste Partnerschaft“, so heißt es bei der Plattform Singleboersen-Vergleich.de, die den deutschsprachigen Markt der Onlinekuppler analysiert und beobachtet.

Der Umsatz der Branche in Österreich wird für das Jahr 2007 auf neun bis elf Millionen Euro geschätzt, seit 2004 wächst der Markt jährlich um 40 Prozent. Schätzungen zufolge wird mit der Suche nach Liebe und Sex im Netz bereits mehr Umsatz gemacht als mit den Downloads von Musik. „Österreicher, Deutsche und Schweizer sind europaweit führend bei der Partnersuche im Internet“, sagt Henning Wiechers von Singleboersen-Vergleich.de.

Bei der Suche nach der großen Liebe im Netz gibt es ein Nord-Süd-Gefälle in Europa. Je nördlicher das Land, desto eher setzt man sich vor den PC, im Süden geht man eher in eine Bar.

Den meisten Singles kommt die Suche im Netz billiger, als Abend für Abend in Bars zu sitzen. Dennoch zahlen weniger als 20 Prozent für die Suche der Dienste. In Österreich zahlt ein User daher statistisch zwei Euro im Monat, in den USA sind es vier Dollar. Allerdings fallen immer mehr kostenlose Seiten weg. Die Dienste, die Geld verlangen, werden mehr und attraktiver.

Der Zugang zu interessanten Kontaktdaten kostet zwischen null und 165 Euro pro Monat. Im Schnitt, so hat ein Test des Magazins „Konsument“ ergeben, bekommt man dafür binnen zwei Wochen nach der Anmeldung bis zu 20 Vorschläge.

Wie viele Anläufe man braucht und wie viel das Suchen bis zum Finden kostet, das könne man nicht sagen. „Online-Dating ist eine Plattform wie eine Diskothek. Die Frage ,Wie viel Eintritt muss man zahlen, bis man verheiratet ist?‘ hat auch wenig Sinn“, meint Wiechers. Einen statistischen Mittelwert, den gibt es aber: Im Schnitt gibt es bei jedem dritten Date Sex, aus jedem sechsten Rendezvous entsteht eine Beziehung.

Der Erfolg ist individuell, so wie die Absichten der User: Zeitvertreib, Selbstbestätigung holen, Online-Erotik, Sextreffen, Partnerschaft, Heirat, so Wiechers. So lang wie die Liste der Motive ist die der Anbieter. Den meisten Umsatz machen die – oft kostenlosen – Seiten für unverbindliche Flirts. Teurer kommen Partneragenturen. Sie analysieren zunächst die Persönlichkeit mittels Test, fragen dann Wünsche und Absichten ab und vermitteln schließlich Kontakte.

Beim Adult-Dating geht es eindeutiger zur Sache. Und eigentlich dürfte man diese Websites nicht Singlebörse nennen, denn die umsatzstärksten Anbieter, das sind die Agenturen, die gezielt Seitensprünge vermitteln.

Eindeutig, das sind auch die Absichten und Vorlieben der Kunden der Nischenanbieter. Bei „Reif trifft Jung“ zum Beispiel. Oder bei Agenturen – für Alleinerziehende, für Männer, die Frauen aus Osteuropa suchen, für Religiöse; für Menschen mit Behinderung oder für jene, die Partner mit ähnlichen amourösen Vorlieben suchen.

Der Markt ist zersplittert und hart umkämpft. „Es gibt keinen Anbieter, der sich dumm und dämlich verdient, die meisten müssen einen großen Teil reinvestieren, um ihre Marktanteile zu halten“, sagt Wiechers.

Onlinebörsen gibt es viele in Österreich, aber die wenigsten sind auch österreichisch, so wie Love.at oder Websingles.at. Parship etwa gehört der deutschen Verlagsgruppe Holzbrinck, Elitepartner gehört Hubert Burda Medien, friendscout24 ist Teil des Konzerns der Deutschen Telekom. Auf dem deutschen Markt stehen mehr als 2000 Börsen für die Suche nach Partnern oder Sex bereit, der Großteil davon, heißt es bei Singleboersen-Vergleich.de, habe zu wenige User und sei damit uninteressant.

Der nach eigenen Angaben größte Anbieter Europas, Meetic, ist vergangenes Jahr in die roten Zahlen gerutscht. 2008 lag der Umsatz des französischen Konzerns, dem etwa auch Neu.at gehört, bei 133,6 Mio. Euro. Andere, kleine Nischenanbieter können als kleiner Fünfmannbetrieb „richtig Geld verdienen“, sagt Wiechers. Joyclub.de zum Beispiel, eine „Community für stilvolle Erotik“, so die Beschreibung.

Die große Bilderbuchliebe, die findet man dort wohl nicht. Auf anderen Seiten ist es, so die Aufzeichnungen von Singleboersen-Vergleich.de, mehr als sechs Millionen Menschen gelungen, einen Partner zu finden. Gut ein Drittel der Beziehungen hatte bis zum Zeitpunkt der Untersuchung Bestand. In Österreich dürften sich demnach 600.000 Menschen (zumindest für eine Weile) im Netz gefunden haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2009)

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