Modekette American Apparel droht die Pleite

Das Unternehmen, das seit fünf Jahren mit Verlusten kämpft, beantragt Gläubigerschutz. Die US-Kette hat 300 Mio. Dollar Schulden angehäuft.

Modekette American Apparel ist pleite
Modekette American Apparel ist pleite
Modekette American Apparel ist pleite – imago stock&people

Der seit Jahren rote Zahlen schreibenden US-Modekette American Apparel droht die Pleite. Am Montag meldete der 1989 gegründete Konzern Gläubigerschutz an. Zugleich kündigte er an, das Geschäft während des Umbaus weiterzubetreiben. Dieser Schritt werde es American Apparel ermöglichen, "ein stärkeres, dynamischeres Unternehmen zu werden", erklärte Chefin Paula Schneider. Kunden und Mitarbeiter seien nicht direkt betroffen.

Den Angaben zufolge haben 95 Prozent der Gläubiger bereits zugestimmt, ihre Forderungen zu reduzieren - sie bekommen im Gegenzug Anteile am Unternehmen. American Apparel will so seine Schulden von derzeit 300 Mio. Dollar (269 Mio. Euro) auf 135 Mio. Dollar drücken. Zudem sagten die Gläubiger zu, 70 Mio. Dollar zuzuschießen, um "die Stabilität während und nach der Sanierung" zu gewährleisten.

Die harte Konkurrenz durch den schwedischen Rivalen H&M und die spanische Inditex-Mutter Zara sowie die Kaufzurückhaltung vor allem jüngerer Konsumenten setzte jüngst auch der Kette Abercrombie & Fitch, Cache, Wet Seal sowie dem Surfmode-Anbieter Quiksilver zu. American Apparel ist mit einfarbiger Unisex-Mode und provokanten Marketing-Aktionen weltweit bekanntgeworden.

Produktion ausschließlich in USA

American Apparel hatte Anfang Juni angekündigt, Filialen zu schließen und Personal zu entlassen. Mitte August wurde aus Börsendokumenten bekannt, dass Liquiditätsengpässe drohen. Der Aktienkurs war um mehr als 30 Prozent abgestürzt.

Unternehmenschefin Schneider betonte, American Apparel sei nicht nur eine Modemarke mit Kultcharakter, sondern auch der größte Modehersteller in Nordamerika. "Wir gehen diesen Weg auch, um Jobs in den USA zu halten und die Ideale zu wahren, für die dieses Unternehmen steht."

In Kampagnen legt American Apparel großen Wert auf die Feststellung, ausschließlich in den USA zu produzieren - und nicht wie die Konkurrenz in Niedriglohnländern in Asien. Doch die Verkäufe gehen seit 2010 zurück. Europäische Ketten wie H&M und Zara sind günstiger und tauschen ihre Kollektionen schneller aus.

Mein Gewinn seit fünf Jahren

Seit 2009 hat American Apparel keinen Gewinn mehr gemacht. Der Marktwert schrumpfte in dieser Zeit von 540 Mio. Dollar auf nunmehr etwa 20 Mio. Dollar. Zuletzt hatte das Unternehmen aus Los Angeles davor gewarnt, den laufenden Betrieb nicht aufrecht erhalten zu können. Die New Yorker Börse drohte bereits mit dem Ausschluss. Um dem entgegenzuwirken, drehte der Konzern an der Kostenschraube. Im Juli kündigten er an, in den nächsten 18 Monaten 30 Mio. Dollar einzusparen. Um dies zu realisieren, sollten auch Mitarbeiter entlassen und Läden geschlossen werden. Im März beschäftigte American Apparel noch 10.000 Menschen und betrieb weltweit fast 240 Filialen. Die Modemarke unterscheidet sich von vielen Konkurrenten auch mit dem Ansatz, nur auf dem Heimatmarkt zu produzieren.

American Apparel war außerdem im vergangenen Jahr in den Schlagzeilen, weil der Gründer Dov Charney seinen Rausschmiss nicht akzeptieren wollte und immer noch dagegen ankämpft. Ihm waren "Fehlverhalten und sexuelle Belästigung" vorgeworfen worden. Charney hatte American Apparel 1989 im kanadischen Montreal gegründet und den Firmensitz später nach Los Angeles verlegt.

(APA/Reuters)

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