Königsegg kauft Saab: Wenn David nach Goliath greift

Der schwedische Kleinsthersteller Koenigsegg steht kurz davor, Saab zu kaufen. Zu wenig unternehmerischen Mut kann man ihm nicht vorwerfen. Der 36-jährige Firmengründer griff schon öfter nach automobilen Sternen.

(c) REUTERS (STR)

Zu wenig unternehmerischen Mut kann man Christian von Koenigsegg nicht vorwerfen. So war der Schwede erst 22 Jahre alt, als er 1994 den gleichnamigen Autohersteller gründete. Sein Ziel war – ähnlich wie bei vielen Männern in diesem Alter –, das „perfekte Auto“ zu bauen. Zumindest das schnellste der Welt ist es geworden. Nun steht der Kleinserienhersteller vor einem Coup, der die globale Wirtschaftswelt in Erstaunen und ungläubige Skepsis versetzt: Koenigsegg ist nämlich kurz davor, den wesentlich größeren insolventen Autokonzern Saab zu übernehmen.

Begonnen hatte alles im Jahr 1977. Damals sah Christian von Koenigsegg den norwegischen Animationsfilm „Flaklypa Grand Prix“. Darin baut sich ein Fahrradmechaniker seinen eigenen Sportwagen. Der Gedanke, es dieser Filmfigur gleichzutun, habe ihn seither nicht mehr losgelassen, sagte Koenigsegg später einmal. Während jedoch bei vielen anderen Buben die Kindheitsträume mit der Zeit in Vergessenheit geraten, machte Koenigsegg sein Vorhaben 17 Jahre später wirklich wahr. Der umtriebige Twen war zu diesem Zeitpunkt mit einem Geschäft für Import und Export bereits zu Reichtum gekommen.

Hilfe von Saab. Bei der Entwicklung des „ersten schwedischen Supersportwagens“ erhielt Koenigsegg auch Hilfe von den beiden schwedischen Autokonzernen Volvo und Saab. Diese stellten unter anderem einen Windkanal zur Verfügung. Dennoch dauerte es acht Jahre, bis das erste Fahrzeug einem Käufer übergeben werden konnte. Ihm sind seither nur rund 20 Stück pro Jahr gefolgt – die meisten davon gingen an arabische Autosammler. Denn selbst unter exklusiven Sportwagen gilt Koenigsegg als eine besonders seltene Marke. Somit sind die Hauptkonkurrenten auch weniger Porsche oder Ferrari, sondern Exoten wie Bugatti, McLaren oder Pagani.

Untermauert wurde dieser Anspruch des Besonderen durch technische Leistungen. So brach am 28. Februar 2005 ein Koenigsegg CCR einen Rekord, den ein der McLaren F1 sieben Jahre lang gehalten hatte – und zwar jenen des schnellsten Serienfahrzeugs. Mit 388 Kilometern pro Stunde war der Schwede um 16 km/h schneller unterwegs als der McLaren. Inzwischen wurde Koenigsegg zwar wieder von der Spitze verdrängt, dem Image der Marke hat der Erfolg jedoch geholfen.

Wer sich dieses Image in die eigene Garage holen möchte, sollte aber auch über das entsprechende Kleingeld verfügen. Ab etwa 700.000 Euro fangen die Preislisten bei Koenigsegg an. Im Schnitt kosten die ausgelieferten Fahrzeuge – dank Sonderausstattungen – aber eine gute Million Euro. Dafür erhalten die Kunden ein Auto, das sich laut Fachzeitschriften trotz bis zu 1018 PS (abhängig vom Modell) einfach und gemütlich fahren lässt. Und dem Unternehmen schadet die Spendierfreude seiner Kunden natürlich auch nicht. Die Gewinnmarge soll sich bei rund zehn Prozent bewegen.

Lachen oder Weinen? In Schweden gibt es aber bei aller patriotischen Freude auch viel Skepsis über die Pläne von Koenigsegg. „Soll man lachen oder weinen?“, schrieb ein schwedischer Kommentator. Grund für die Skepsis sind die Fakten. So benötigt Saab laut Experten Investitionen von bis zu 25 Milliarden schwedische Kronen (2,3 Milliarden Euro), um wieder zu einem rentablen Autohersteller zu werden. Koenigsegg ist zwar profitabel, die Gewinne bewegen sich jedoch im einstelligen Millionenbereich.

Das Geld soll daher nicht vom Sportwagenhersteller, sondern von einer norwegischen Investorengruppe rund um den Koenigsegg-Miteigentümer Bard Eker kommen. Am kräftigsten zur Kasse gebeten werden dürfte aber – ähnlich wie bei Opel – der Staat mittels Bankgarantien. Und angesichts des Risikos für den schwedischen Steuerzahler wird auch in Stockholm hinterfragt, ob das 50-Mann-Unternehmen Koenigsegg die Expertise hat, den 4000-Mitarbeiter-Konzern Saab zu sanieren.

Wenn die Übernahme von Saab gelingt, würde das von der Größenordnung sogar den – gescheiterten – Kauf von VW durch Porsche in den Schatten stellen. Und dass bei Christian von Koenigsegg manche Träume wahr werden, hat dieser bereits bewiesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)

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