400-Milliarden-Solarkraftwerk in der Sahara

Ein Konsortium von deutschen Unternehmen will in Nordafrika Solarstrom produzieren und damit 15 Prozent von Europas Strombedarf decken. Ein echtes Problem bei Kraftwerken in Nordafrika ist die politische Stabilität der Länder.

(c) AP

Wien (jaz). Das Bild ist nicht neu: Riesige Solarkraftwerke im Norden Afrikas produzieren sauberen Strom, der Europa mit Energie versorgt. Die CO2-Bilanz Europas würde sich dadurch rapide verbessern, während gleichzeitig in Afrika neue Jobs geschaffen würden. Bislang handelte es sich dabei nur um Visionen. Nun will laut eines Berichts der „Süddeutschen Zeitung“ ein Konsortium aus deutschen Unternehmen diese Vision zur Realität werden lassen.

„Wir wollen in den nächsten zwei bis drei Jahren konkrete Umsetzungspläne auf den Tisch legen“, sagte Torsten Jeworrek, Vorstand der Münchener Rück. Nebendem Versicherungskonzern sind unter anderem auch Siemens, die Deutsche Bank und der Energiekonzern RWE in dem Konsortium vertreten. Andere europäische Firmen sollen ebenfalls als Partner gewonnen werden. In Summe soll der Bau der Solarkraftwerke 400 Mrd. Euro kosten und in zehn Jahren den ersten Strom liefern. Anfangs bräuchte man, ähnlich der Ökostromregelungen, noch Unterstützung wie beispielsweise eine Abnahmegarantie zu einem bestimmten Preis, meint Jeworrek. Nach zehn bis 15 Jahren sollen die Solarkraftwerke aber mit konventioneller Stromerzeugung aus kalorischen oder atomaren Kraftwerken wettbewerbsfähig sein.

 

Neue Abhängigkeiten?

Bis es so weit ist, sind aber noch einige Probleme zu lösen. Dabei ist die Produktion des Stroms das geringste. Solarkraftwerke werden seit Jahren bereits mit Erfolg in Spanien oder Kalifornien betrieben. Dabei wird – anders als bei Fotovoltaik, die Lichtenergie direkt in Strom wandelt – das Sonnenlicht mittels Spiegel gebündelt und so ein Spezialöl erhitzt. Dieses Öl verdampft Wasser, mit dem Dampfturbinen betrieben werden.

Ein echtes Problem bei Kraftwerken in Nordafrika ist die politische Stabilität der Länder. Da elektrische Energie nicht gespeichert werden kann, wäre die Abhängigkeit von den Ländern noch wesentlich größer als heutzutage die Abhängigkeit von Öllieferanten. Die politische Stabilität sei daher die wichtigste Voraussetzung für eine Investition, sagt Jeworrek.

Das zweite Problem ist der Transport des Stroms nach Europa. Von Wissenschaftlern werden dabei „Strom-Autobahnen“ favorisiert. Das sind Gleichstrom-Leitungen mit 800 Kilovolt, die selbst auf 3000 Kilometer Entfernung nur 15 Prozent Leitungsverlust haben. Solche Leitungen sollen von der afrikanischen Wüste über die Straße von Gibraltar oder Tunesien und Sizilien den Kontakt mit dem europäischen Stromnetz herstellen. Bei den Leitungen entstehen aber elektromagnetische Felder, die die Umwelt stark beeinflussen. Die Genehmigungen für solche Leitungen dürften daher schwierig werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2009)

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