EZB treibt den Goldpreis wieder hoch

Das Edelmetall erlebt eine ausgeprägte Erholung, die erhoffte Trendwende ist das aber wohl noch nicht.

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THEMENBILD: GOLD – (c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Der Goldpreis wurde schon mehrfach – auch an dieser Stelle – in Richtung 1000 Dollar je Feinunze oder sogar darunter geschrieben. Aber er wird diese Marke wohl auch diesmal nicht knacken. Zu verdanken haben wir das Herrn Draghi, der die Geldpolitik der EZB zwar weiter gelockert hat – aber nicht genug, um die an der EZB-Nadel hängenden Liquiditäts-Junkies voll zufriedenzustellen.

Das Ergebnis ist bekannt: Aktien erlebten am Donnerstag einen überaus heftigen Einbruch, Gold und Euro schossen in die Höhe. Beim Goldpreis hielt die überraschend starke Erholung auch am Freitag an, als die Notierung bis zum Nachmittag noch einmal um zwei Prozent hochzog.

Ist der Goldpreisrutsch jetzt gestoppt und die von der Goldgemeinde so sehnlich erwartete Trendwende eingeleitet? Danach sieht es ehrlich gesagt nicht aus. Chartisten zeigen überzeugend, dass der langfristige Abwärtstrend beim Edelmetall noch keineswegs gestoppt ist. Was wir nun sehen, ist also eine Gegenbewegung in einer intakten Abwärtsphase.

Diese kann unter Umständen aber durchaus heftig ausfallen und länger anhalten. Als wahrscheinlich gilt, dass die Notierung jetzt gut 100 Dollar je Feinunze gutmacht und in die Gegend von 1180 bis 1200 Dollar läuft.

Viel weiter dürfte es jetzt nicht gehen. Dazu gibt es zu viele frustrierte Anleger, die nur auf halbwegs vernünftige Preise zum Ausstieg warten. In der Gegend von 1200 Dollar dürfte eine Signalschwelle liegen, an der jede Aufwärtsbewegung durch Gewinnmitnahmen wieder gestoppt wird.

Kurzfristige Spekulationen (aus Spesengründen am besten mit gehebeltem „Papiergold“) können jetzt also durchaus ertragreich sein. Für die langfristige Anlage dürfte der auf dem Draghi-Effekt beruhende Schub aber noch zu gering ausfallen.

Was hierzulande allerdings auch zu beachten ist, ist die starke Veränderung in der Dollar-Euro-Relation. Ein starker Dollar ist zwar grundsätzlich gut für den Goldpreis – aber nur, wenn man das Gold auch in Dollar bezahlt. Denn die für den Markt enttäuschenden EZB-Maßnahmen haben auch die von der Euronotenbank durchaus gewollte Eurotalfahrt nicht nur gestoppt, sondern sogar umgedreht: In den vergangenen Tagen ist der Kurs des Dollars gegenüber dem Euro recht deutlich gestiegen.

Das heißt: Für Euroanleger wird ein Teil der Goldpreissteigerung durch Währungsverluste wieder aufgehoben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2015)

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