Kein Zutritt für Banker in französischem Restaurant

Hunde sind willkommen. Banker müssen 70.000 Euro Eintritt bezahlen um in ein Restaurant eingelassen zu werden. Der Restaurantbesitzer entspricht damit der französischen Tradition des Antikapitalismus.

Wenn Bankern der Eintritt verweigert wird.
Wenn Bankern der Eintritt verweigert wird.
Stop für Banker. – (c) imago/Ralph Peters (imago stock&people)

Gegen Banken und Kapitalisten zu wettern gehört in Frankreich schon fast zum guten Ton. 45 Prozent der Bevölkerung befürworten sogar Gewalt gegen hochrangige Manager. Nicht nur die Arbeiter in Frankreich, auch Präsidenten verteufeln öffentlich die Finanzwelt, so wie Präsident Francois Hollande mitten im Wahlkampf 2012 oder Nicholas Sarkozy.

Der Restaurantbesitzer Alexandre Callet, der Bankern nun demonstrativ den Zutritt zu seinem Restaurant verwehrt, entspricht damit also wahrscheinlich dem Wunsch des durchschnittlichen Franzosen. Auf Twitter wird Callet für seine Kampagne gegen Banker vor allem von Linkspopulisten gelobt.

Frankreich feiert den Antikapitalismus

Callet hat nicht die besten Erfahrungen mit Banken gemacht: Um sein Restaurant in einem Vorort von Paris zu eröffnen, benötigte er einen Kredit. Erst nach zahlreichen Absagen fand er eine Bank, die ihm Geld leihen wollte. Nun möchte Callet sein zweites Restaurant eröffnen und suchte wieder um einen Kredit in Höhe von 70.000 Euro an. Obwohl der junge Restaurantbesitzer laut eigenen Aussagen schwarze Zahlen schreibt und keine Schulden mehr auf seinem Restaurant lasten, wollte ihm bis jetzt keine Bank einen Kredit gewähren.

Callet sagt, er möchte den Scheinwerfer der Öffentlichkeit auf die wirtschaftlichen Probleme Frankreichs richten. Kleine Unternehmer, wie er selbst, hätten vermehrt Probleme Kredite von Banken zu erhalten. "Jedes Mal, wenn wir ein neues Geschäft lancieren wollen, müssen wir uns klein machen und wie Tiere auf allen Vieren krabbeln.", klagt der 30-Jährige gegenüber "Der Welt". Banken würden ihre Arbeit nicht erledigen. Diese Meinung teilen viele Franzosen.

Der Hass auf Manager und Firmenchefs ist vor allem unter Arbeitern in Frankreich weit verbreitet. Teilweise werden ihre Forderungen auch durch rohe Gewalt bekräftigt. Ein populäres Beispiel aus dem vergangenen Jahr machte dies allzu deutlich: Die Eskalation innerhalb des Air France-Unternehmens. Damals wurde im Zuge einer Demonstration gegen Sparpläne buchstäblich Jagd auf den Personalchef gemacht. Die Arbeiter verfolgten ihn so lange, bis er gezwungenermaßen über einen Zaun kletterte und flüchtete.

Manager werden mit Schuhen und Eier beworfen

Zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit bestätigen die negative Haltung Frankreichs gegenüber der Finanz- und Firmenwelt. Schiffe werden gekapert, Büros gestürmt oder Manager mit Schuhen und Eiern beworfen. Aktionen wie diese wurden bisher von politischer Seite weitgehend toleriert oder sogar mit Worten des Lobes bedacht. Allmählich dämmert es den politischen Größen des Landes aber, dass dieses Verhalten negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Frankreichs hat.

Der Protest des Restaurantbesitzers Callet verläuft friedlich und ist dennoch politisch: Banken hatten ihn beschämend behandelt, als er damals um einen Kredit ansuchte. Heute hat er die Macht, dem Bankensektor den Zutritt zu seinem Besitz zu verweigern.

>>>Bericht der "Welt"

(poi)

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