Minenaktien schlagen den Rohstoff

Der Goldpreis scheint kurzfristig ausgereizt, Goldminenaktien haben ihre Rallye aber noch lang nicht beendet.

Mining trucks are seen at the Oyu Tolgoi mine in Mongolia's South Gobi region
Mining trucks are seen at the Oyu Tolgoi mine in Mongolia's South Gobi region
Symbolbild Mine – REUTERS

Experten trommeln seit Monaten für Gold. Zuletzt hat etwa der amerikanische Star-Investor Stanley Druckenmiller, der als einer der langfristig erfolgreichsten Fondsmanager gilt, vor den zunehmenden Crash-Gefahren im Aktienmarkt gewarnt und zum Kauf von Gold geraten. Aber der Preis des Edelmetalls kommt jetzt trotzdem nicht mehr so recht vom Fleck. Bei 1300 Dollar je Feinunze scheint ein ziemlich starker Deckel zu liegen, der die Notierung eisern niederhält.

Dazu mehren sich jene Expertenstimmen, die meinen, man solle sich für heuer nicht mehr allzu viel erwarten. Die knapp 20 Prozent Kursgewinn seit Beginn des Jahres seien das Maximum. In diesem Jahr werde die Edelmetallnotierung den Wert von 1300 Dollar je Feinunze wohl nicht mehr überschreiten.

Nachdenklich sollte auch die jüngste Analyse von Goldman Sachs machen: Darin werden die Kursziele der US-Investmentbank für Gold zwar angehoben, aber die prognostizierten 1200 Dollar auf Sicht von drei Monaten und 1150 Dollar auf Zwölfmonatssicht liegen deutlich unter den aktuellen Werten. Wenn die „Goldmänner“ auch nur annähernd richtig liegen, dann wird das heuer wohl nichts mehr.

Ganz anders aber sieht es bei den Goldminenaktien aus. Diese sind seit Jahresbeginn teilweise zwar schon um mehr als 100 Prozent hochgeschossen. Aber sie haben noch lang nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Der Chef des auf Edelmetall- und Rohstoffminen spezialisierten US-Investmenthauses Craton Capital, Markus Bachmann, verglich die Entwicklung neulich in einem Interview mit dem „Institutional Investor“ mit einem Zehngang-Menü, bei dem die Investoren gerade erst den Gruß aus der Küche bekommen hätten.

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Kurse der Minenaktien waren während des Goldpreisverfalls viel stärker gesunken als der Goldpreis selbst. Teilweise gingen die Abschläge bis zu 90 Prozent. Die Unternehmen waren dadurch auf die harte Tour gezwungen worden, den Untergang durch radikale Sanierungsschritte abzuwenden. Deshalb stehen sie jetzt in überwiegender Zahl außerordentlich konkurrenzfähig da – und sind, gemessen an normalen Bewertungskriterien, an der Börse überwiegend immer noch unterbewertet. Weshalb sie auf Goldpreisveränderung auch sehr stark überproportional reagieren.

Dazu kommt jetzt ein neuer Kurstreiber: In der Branche ist eine Fusionswelle in Gang gekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2016)

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