Kreditabsicherung: Der Parmesan-Käse im Bank-Tresor

Eine italienische Regionalbank lagert 17.000 Tonnen Käse in ihren Tresoren. Der Parmesan dient der Bank als Sicherheit, um Kredite zu vergeben. Die Bank riskiert wenig und den Käseproduzenten ist geholfen.

Parmesan
Parmesan
(c) EPA (Str)

In den Tresoren der italienischen Regionalbank Credito Emiliano Spa lagern 17.000 Tonnen eines ganz besonders wertvollen Guts: Parmesan-Käse. Der Käse dient der Bank in Zeiten der tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg als Sicherheit für Kredite und als Finanzierungshilfe für die Käsehersteller in Norditalien, berichtet die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg". In den zwei klimatisierten Lagerräumen der Bank befinden sich über 440.000 Käseräder mit einem Wert von 132 Millionen Euro.

Käse bei Diebstahl zurückverfolgbar

"Dieser Mechanismus ist unsere Lebensader", sagt der italienische Käseproduzent Giuseppe Montanari. "Es ist eine großartige Möglichkeit, um uns zu finanzieren und die Bank riskiert dabei wenig, da sie den Käse immer verkaufen kann". Jedes der 40 Kilogramm schweren Käseräder ist rund 300 Euro wert und kann im Fall eines Diebstahls zurückverfolgt werden. Denn die Käseräder sind mit Brandzeichen markiert.

In der Region Emilia Romagna wird Parmesan bereits seit 1953 als Sicherheit verwendet. Die Bank stellt dabei Kredite mit einer Laufzeit von 24 Monaten zur Verfügung - also genau jener Zeit, die der Parmesan braucht, um zu reifen. Der Zinssatz entspricht dem Euribor plus einem Aufschlag von 0,75 bis zwei Prozent. Der Euribor ist jener Zinssatz, zu dem sich die europäischen Banken untereinander kurzfristig Geld leihen. Die Banken gewähren die Kredite üblicherweise in der Höhe von 80 Prozent des aktuellen Käsewerts.

"Dient seit dem Mittelalter für Finanzgeschäfte"

"Parmesan-Käse wird seit dem Mittelalter für Finanzgeschäfte verwendet", sagt Leo Bertozzi, Chef des italienischen Parmesan-Herstellerverbandes. Die Bank habe zwar erwogen, Prosciutto-Schinken und Olivenöl als Sicherheiten zu verwenden, sagt William Bizzarri, der für den Käse zuständige Bankmanager. Doch diese Produkte seien schwerer zu lagern und makieren. "Es ist auch einfacher, sie zu stehlen oder auszutauschen", so Bizzarri.

Emilia Romagna ist die einzige Region weltweit, wo Käse den offiziellen Namen "parmigiano-reggiano" als Bezeichnung für trockenen Hartkäse tragen darf. Parmesan wird seit dem Jahr 1200 in der Region hergestellt. 2008 wurde Parmesan-Käse im Wert von 1,5 Milliarden Euro verkauft.

Die Bank unterzieht die gelagerten Käseräder laufend einer Qualitätskontrolle. Dazu müssen die Käseräder auch mehrmals in der Woche gewendet werden.

"Es gibt mehr als nur einen Weg"

Wenn Kredite nicht zurückgezahlt werden können, verkauft die Bank den Käse im Gegenwert der Schuld und überweist die Differenz an den jeweiligen Käsehersteller. Der Preis für Parmesan ist seit Jahren äußerst stabil, das Risiko der Bank ist gering. Zudem soll es kaum säumige Käseproduzenten geben.

Von einer Kreditklemme kann also bei den italienischen Käseherstellern keine Rede sein. "Es ist nicht unsere Haupteinnahmequelle, aber es hilft den Käse-Produzenten und zeigt, dass es mehr als nur einen Weg gibt, Bankgeschäfte zu machen", sagt Bizzarri. "Es ist ein Weg, um unser Erbe gut einzusetzen".

(phu)

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