Autobranche: Staatlich garantierter Leerlauf

An die 20 Millionen Autos werden weltweit jedes Jahr zu viel gebaut. Während im Osten und in Asien immer neue Werke aus dem Boden wachsen, steigt die Produktivität in Europa. Doch die Branche wird ihre Überkapazitäten nicht los.

THAILAND AUTOMOTIVE
THAILAND AUTOMOTIVE
(c) EPA (Ogilvy Public Relations/handout)

Die Autobauer der Welt bauen zu viele Autos. Bereits Ende April bezifferte Magna-Chef Siegfried Wolf die weltweite Überkapazität mit 20 Millionen Autos. Pro Jahr. Und sie wird weiter wachsen, wie eine aktuelle Studie der Unternehmensberater "Price, Waterhouse Coopers (PwC)" ergibt Doch der einfachste Weg, diese zu bekämpfen, ist nicht so einfach möglich: Vor allem ein Europa lassen sich Werke nicht einfach schließen.

Politisch garantierte Überkapazität

Das liegt das in erster Linie an staatlichen Austrittsbarrieren. Seien es Subventionen, nichttarifäre Hemmnisse, Zölle oder starke Gewerkschaften - es ist nicht einfach für einen Autobauer, ein Werk in Westeuropa zu schließen. Ganz zu schweigen vom zu erwartenden Imageschaden, wenn man mit einer Werksschließung mehrere tausend Arbeitsplätze abbaut. Die PwC-Studie führt als Beispiele für niedrige Austrittsschranken Schweden und England an - beides Länder mit einst blühender Autoindustrie.

Effizienz bis zum Leerlauf gesteigert

Die Überkapazitäten entstanden und entstehen nicht nur durch die eingebrochene Nachfrage nach Autos. Die Werke in Europa und den USA werden auch immer produktiver und effizienter. Ein Beispiel ist die Produktionszeit eines VW Golf:

  • Für einen Golf IV benötigte VW 44 Stunden,
  • für einen Golf V nur noch 32 Stunden
  • und der Golf VI soll in 22 Stunden fertig sein.

Gelingt es nicht, die dadurch freiwerdenden Kapazitäten mit Produktion zu füllen, ergibt sich notgedrungen ein Leerlauf in den Werken. In der PwC-Studie wird die minimale Auslastung eines Autowerks, die für eine gesunde Rendite nötig ist, mit 75 bis 80 Prozent angegeben. Derzeit liegt sie nach PwC-Angaben aber bei gerade einmal 63 Prozent. Die Effizienz müsste aber sogar noch weiter steigen. PwC berechnet, dass deutsche Autobauer im Schnitt 1700 Euro pro Fahrzeug einsparen müssen.

Autoriesen entstehen im Osten

Dazu kommt noch, dass viele Autobauer dem alten Prinzip "Bau, wo du verkaufen kannst" folgen und neue Werke in den Hoffnungsmärkten China, Indien und Osteuropa errichten. Um dort in Konkurrenz zu eben den indischen und chinesischen Autobauern zu stehen, die -vorerst- auf ihren Heimatmärkten erstarken. Und früher oder später am weltweiten Markt mitnaschen wollen.

 

Urvertrauen in eine Illusion

Eine Studie der Unternehmensberatung Alix Partners attestiert der westlichen Autobranche aber auch strategische Fehlentscheidungen schon in den vergangenen Jahren. Durch günstige Finanzierungsangebote wären viel zu viele Autos auf den Markt gekommen. "Es gab eine Art Urvertrauen in weiteres Wachstum und die Erwartung, man werde in die erweiterten Kapazitäten hineinwachsen", so Studienautor Vinzenz Schwegmann im "Spiegel Online". Die Wirtschaftskrise habe einige Autobauer nur schneller ans Ende der Sackgasse geführt. Aber, so Schwegmann, "falsch abgebogen sind sie schon vorher".


 

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