„Japans Unternehmen werden wieder aktionärsfreundlich“

Während die schwachen makroökonomischen Daten ein düsteres Bild malen, bietet die Tokioter Börse allerlei gute Chancen.

(c) APA/AFP/KAZUHIRO NOGI

Wien. Seit Jahren wird Japan von einer hartnäckigen Deflation heimgesucht, während die Staatsschulden knapp 250 Prozent des BIP erreicht haben. Zu allem Überfluss setzt der Yen seinen Höhenflug fort, das bekommen viele Exporteure schmerzhaft zu spüren. Auch für andere Branchen ist die Lage schwierig. Daiji Ozawa, Chief Investment Officer, Invesco AM (Japan), verweist auf die Negativzinspolitik der Zentralbank. Das habe dazu geführt, dass die Zinskurve sehr flach geworden ist, sprich, es gibt kaum noch einen Unterschied zwischen den Zinsen für langlaufende und kurzlaufende Anleihen. „Und das hinterlässt auch Spuren am Bankensektor“, sagt Ozawa. Denn die Spanne, die Banken zwischen Spareinlagen und Krediten verdienen, ist damit ebenfalls geschmolzen.

Kein Wunder, dass auch Tokios Börse wenig interessant erscheint. Doch der Schein trügt, meinen Experten. „Der japanische Aktienmarkt lockt mit zahlreichen Perlen“, meint Yasuyuki Kanda, Leiter Business Development bei Tokio Marine Asset Management (London). Er sieht durchaus interessante Chancen für den Tokio Marine Japanese Equity Focus Fund.

Dabei sind es die strukturellen Veränderungen in Japan, die den Optimismus anfachen. „Die Deflation verleitete japanische Unternehmen dazu, Cash zu horten“, meint Kanda rückblickend. Das ändere sich nun, da sich „die Zeit der billigen Arbeitskräfte dem Ende nähert“. Es gebe immer mehr alte, zugleich weniger junge Arbeitskräfte. Das treibe die Löhne für junge Menschen und somit allmählich auch die Inflationsrate an. Eine höhere Inflationsrate verleitet eher dazu, das Cash wieder auszugeben. Dabei wird ein zunehmender Anteil für Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen verwendet. „Japans Unternehmen werden zunehmend aktionärsfreundlich, und legen inzwischen mehr Wert auf Kapitaleffizienz“, resümiert Ozawa. Auch dürfte wieder mehr investiert werden, etwa um die Produktivität zu steigern, ist Kanda überzeugt.

Das trifft vor allem auf kleine und mittelgroße Betriebe zu. Und davon profitiert etwa Otsuka, der Konzern stattet entsprechende Unternehmen mit IT-Systemen aus. Zudem nimmt die Übernahmetätigkeit zu, das kommt dem Consulter Nihon M&A Center zugute. Doch auch die „Oldies“ sollten nicht unterschätzt werden. In Japan liegen Zweidrittel des Privatvermögens in Händen der über 60-Jährigen. Und sie singen gern Karaoke, entsprechende Maschinen stellt Daiichi Kosho her. Tosho bietet wiederum Yoga für ältere Menschen an. Auch der Gesundheitssektor profitiert von der Generation.

Mit gut gemanagten Fonds überlässt man das Perlentauchen den Experten und kann das Risiko ein wenig streuen (siehe Tabelle). Alternativ gibt es Zertifikate auf ausgewählte Strategien. Der Vorteil: Anleger kennen die Zusammensetzung, und Zertifikate lassen sich laufend an der Börse handeln. Dafür hat man ein Emittentenrisiko. Geht der Emittent pleite, droht ein Totalverlust. Mit einem Fonds kann dies nicht passieren. Hier zählt das Anlegergeld zum Sondervermögen.

Konkret gibt es etwa das CROCI Japan Zertifikat, wobei „die Aktienexperten der Deutschen Bank seit Jahren Unternehmenskennzahlen systematisch mittels der etablierten CROCI Bewertungs-Methode analysieren“, so Deutsche-Bank-Zertifikateexperte Christian-Hendrick Knappe. Dabei handelt es sich um eine hauseigene Fundamentalanalyse, um günstige Aktien herauszufiltern.

Das Zertifikat bildet 30 Titel ab, größte Gewichtung entfällt auf den Konsum- sowie den Industriesektor, etwa mit Asahi, Fanuc und Komatsu. Die Société Générale bietet das Solactive Japanese Buyback Tracker-Zertifikat mit 25 Aktien an. Schließlich hat das Volumen der Aktienrückkaufprogramme in Japan zugenommen. „Aufgrund dessen legten wir 2015 das dazugehörige Partizipations-Zertifikat auf“, begründet Zertifikate-Profi Alana Przibylla den Schritt. Bei diesem Produkt ist zudem der Yen zum Euro laufend abgesichert. Die aktuell größten Gewichtungen haben Marui Group, Yamaguchi Financials, und Sega Sammy Holdings.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2016)

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