"Club of Rome"-Bericht fordert weltweite Ein-Kind-Politik

Es sei "falsch und dumm" das Kinderkriegen in Industrieländern zu fördern, sagen zwei Forscher. Stattdessen fordern sie eine Prämie von 80.000 Dollar für Frauen, die höchstens ein Kind haben.

(c) imago stock&people

Im Jahr 1972 landete der "Club of Rome" mit der Studie "Die Grenzen des Wachstums" einen internationalen Bestseller. 44 Jahre später sorgt die Organisation eher für weltweites Kopfschütteln. Grund dafür ist der Bericht "Ein Prozent ist genug. Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen". Zwei Autoren fordern darin eine Geldprämie für Frauen, die höchstens ein Kind großgezogen haben. Zum 50. Geburtstag sollen sie 80.000 Dollar erhalten.

Das Wachstum der Weltbevölkerung sei nämlich eine der  zentralen Ursachen für die Zerstörung der Umwelt und müsse eingedämmt werden.

"Meine Tochter ist gefährlichstes Tier der Welt"

"Meine Tochter ist das gefährlichste Tier der Welt", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Co-Autor Jorgen Randers. Sie verbrauche nämlich 30-Mal mehr Ressourcen als Kinder in Entwicklungsländern, deshalb müssten die Geburtenzahlen auch in Industriestaaten weiter sinken. Randers: "Für diese Kinder wird Steuergeld ausgegeben, und sie kommen erst 25 Jahre später ins Erwerbsleben. Erst dann hat man jemanden, der Steuern zahlt. Diese Strategie ist falsch und dumm."

Für solche Thesen können sich auch nicht die Grünen begeistern: „Ungezügelter Konsum ist zerstörerisch für unseren Planeten und unsere Lebensgrundlage. Die Lösung liegt aber nicht in einer ,Ein-Kind-Politik’, wie sie nun vorgeschlagen wird“, so Kerstin Andreae, stellvertretende Franktionsvorsitzende der Grünen in Deutschland, gegenüber der "FAZ".

Anhebung der Erbschaftsteuer auf 100 Prozent

Andere Forderungen dürften da auf mehr Anklang stoßen. Die Autoren sprechen sich gegen das Freihandelsabkommen TTIP aus und fordern eine Abkehr vom "unendlichen Konsum" und von der "marktradikalen Ideologie". Sie schlagen eine schrittweise Anhebung der Erbschaftsteuer auf bis zu 100 Prozent und eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters auf 70 Jahre vor. Weiters fordern Randers und Graeme Maxton mehr Urlaubstage, höhere Steuern auf ungesunde Produkte und auf fossile Brennstoffe.

Die Präsidenten des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman, sehen in dem Bericht "eine Vielzahl guter Ansätze". Sie warnen: "Viel Zeit bleibt unserer Welt nicht mehr, um ihre Hochgeschwindigkeitsfahrt zu beenden! Die Mauer kommt näher".

Club of Rome

Der "Club of Rome" ist ein Zusammenschluss von Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft aus mehr als 30 Ländern. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Der Club wurde 1968 auf Initiative des italienischen Industriellen Aurelio Peccei und des schottischen Wissenschaftlers Alexander King in Rom gegründet.

>>> Bericht auf "FAZ.net"

(sk/APA)

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