Ökonom: "Griechenland und Dubai waren nur Weckruf"

Der Chefökonom der Deutschen Bank warnt vor Staatsinsolvenzen. Die Industrieländer müssten spätestens ab 2011 mit der Budgetkonsolidierung beginnen. Sorgen macht ihm die Überalterung der Bevölkerung.

Deutsche Bank in Frankfurt
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Deutsche Bank in Frankfurt
(c) EPA (Uwe Anspach)

Der neue Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer warnt vor Staatsinsolvenzen in Industrieländern. Spätestens ab 2011 müssten die Staaten mit der Konsolidierung beginnen, mahnt Mayer im "Handelsblatt"-Interview. "Tun die Industrieländer das nicht, droht ihnen über kurz oder lang die Insolvenz."

Die Risiken bei Staatsanleihen würden das beherrschende Thema des Jahres sein, sagt Mayer. "Griechenland und Dubai waren nur der Weckruf - das System bricht schließlich nie an der dicksten Stelle zuerst".

Demografische Entwicklung als Problem

Nicht nur die Folgewirkungen der Krise belasteten die Haushalte. "Hinzu kommt, dass bei der demografischen Entwicklung das, was wir lange für die Zukunft prognostizierten, so langsam zur Gegenwart wird."

Die finanzielle Belastung durch die Alterung der Gesellschaft ließe sich nicht ausblenden: "Diese langfristigen Probleme müssen bei der Gestaltung der öffentlichen Finanzen berücksichtigt werden. Unzufriedenheit mit dem Wirtschaftswachstum darf kein Grund dafür sein, die Konsolidierung der Staatsfinanzen vor sich her zu schieben." Dies gelte zumindest, so lange das System nicht wieder in eine Existenzkrise gerate.

Sorgenkinder Japan und Großbritannien

Am meisten Sorgen machen ihm unter den großen Volkswirtschaften Japan und Großbritannien. "In Japan beträgt die Staatsverschuldung inzwischen 200 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, Deflation ist wieder ein großes Thema und die Alterung der Bevölkerung hat brutal begonnen. Die Briten steckten im dritten Quartal 2009 als einziges G20-Land noch immer in der Rezession. Das alles erhöht das Anlagerisiko ganz erheblich."

Im schlimmsten Fall seien die beiden Länder mit einer Entwertung der Staatsschuld durch Inflation konfrontiert. "Das Risiko von unmittelbarer Zahlungsunfähigkeit ist allerdings vor allem in Ländern von Bedeutung, die keine Hoheit über die eigene Währung haben - beispielsweise Griechenland oder Irland", sagt Mayer.

(Ag./Red.)

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