Soros: Euro-Zone fehlt eigenes Finanzministerium

Investoren-Legende George Soros kritisiert die Konstruktion des Euro. Dieser brauche im Krisenfall neben einer Zentralbank auch ein Finanzministerium. Das hätte schon bei der Schaffung des Euro klar sein müssen.

George Soros
George Soros
(c) EPA (Mast Irham)

Die Konstruktion des Euro sei offensichtlich fehlerhaft, schlussfolgert Investoren-Legende George Soros in einem Kommentar in der "Financial Times" am Sonntag. Eine funktionierende Währung brauche beides: Eine Zentralbank und ein Finanzministerium. "Das Finanzministerium braucht man nicht für die tagtägliche Steuerpolitik, aber in Krisenzeiten muss es verfügbar sein", sagt Soros.

"Wenn das Finanzsystem Gefahr läuft zu kollabieren, kann die Zentralbank Liquidität zur Verfügung stellen. Aber nur ein Finanzministerium kann mit Problemen der Zahlungsfähigkeit fertig werden", sagt Soros. Dies sei eine allgemein bekannte Tatsache, die jedem hätte klar sein müssen, der bei der Schaffung des Euro involviert war.

Soros zeigt sich wenig optimistisch, dass die Krise der Euro-Zone rasch ausgestanden ist: "Das Überleben Griechenlands lässt die Zukunft des Euro weiter offen. Selbst wenn die Eurozone die aktuelle Krise in den Griff bekommt, was ist mit der nächsten?". Nötig seien eine "stärkere Kontrolle und institutionelle Einrichtungen für an Bedingungen geknüpfte Hilfestellungen".

"Für Griechenland dürfte eine Notfallhilfe reichen", schreibt Soros. "Aber dann gibt es ja noch Spanien, Italien, Portugal und Irland. Sie haben zusammen einen Anteil am Euro-Land, der zu groß ist, als dass man auf diese Weise helfen könnte."

Einen Ausweg wüsste Soros auch, doch er zweifelt am politischen Willen für diesen Schritt. Soros schwebt die Ausgabe einer gemeinsamen Euro-Anleihe vor. So sollten 75 Prozent der griechischen Schulden mit Euro-Anleihen refinanziert werden solange die Griechen ihre Ziele einhalten. So könnten die Finanzierungskosten gesenkt werden. Politisch unwahrscheinlich sei diese Lösung aber vor allem deshalb, weil Deutschland nicht für seine verschwenderischen EU-Partner tief in die Tasche greifen wolle.

(Red.)

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