IWF schweißt Geldhahn für Island zu

Island wird so bald kein Geld mehr vom Internationalen Währungsfonds erhalten. Durch das eindeutige Nein zur Tilgung der "Icesave"-Schulden bei Großbritannien und den Niederlanden hat sich Island finanziell isoliert.

schweisst Geldhahn fuer Island
schweisst Geldhahn fuer Island
(c) EPA (S Olafs)

Die Auszahlung weiterer Tranchen des insgesamt in Aussicht gestellten Kredits an Island über mindestens 4,6 Milliarden Dollar (3,37 Milliarden Euro) durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) und nordeuropäische Staaten bleibt nach dem Icesave-Referendum vom Samstag weiter blockiert. Das ließen Vertreter Großbritanniens und der Niederlande ebenso wie der drei nordeuropäischen Staaten Norwegen, Schweden und Finnland in den vergangenen Tagen durchblicken.

Nordländische Allianz

Unmittelbar nach dem 93-prozentigen Nein der Isländer zu dem voriges Jahr vereinbarten Rückzahlungsplan zur Entschädigung Londons und Den Haags für die ausgelegten 3,9 Milliarden Euro aus geplatzten Konten der isländischen Icesave-Bank hatten bereits der britische Finanzminister Alistair Darling und die norwegische Regierung den Auszahlungsstopp der seit Anfang Jänner zurückgehaltenen Gelder bekräftigt.

Nur Polen und Färöer zahlen vielleicht

Am Montag betonten auch schwedische und finnische Regierungsvertreter, dass die versprochenen Gelder nicht weiter ausbezahlt würden, so lange es keine Klarheit über die Rückzahlung der Icesave-Schulden gibt. Einzig Polen (Kreditsumme: 210 Millionen Dollar) und die Färöer (50 Millionen Dollar) haben bisher die Auszahlung von Krediten nicht an die Klärung der Icesave-Frage geknüpft. Island muss im Gegenzug für den Kredit aus Warschau allerdings in polnische Staatsobligationen investieren.

Präsident findet es peinlich

Der isländische Präsident Olafur Ragnar Grimsson wetterte indes gegen die nordeuropäischen Schwesternationen, weil diese ihre Kredite an die von allen Seiten stets als "bilaterale Angelegenheit" titulierte Icesave-Frage geknüpft haben. "Wir in Island finden es so peinlich, dass wir nicht einmal darüber reden, wie unsere nordischen Freunde indirekt britische und niederländische Machtansprüche unterstützen, zitierte die dänische Nachrichtenagentur Grimsson am Montag.

Weitere Verhandlungen geplant

Reykjavik will mit britischen und niederländischen Regierungsvertretern schon diese Woche weiterverhandeln, um doch noch ein für beide Seiten akzeptables Rückzahlungsschema zu Stande zu bringen. In Island mehren sich seit dem überdeutlichen Nein der Bevölkerung zum Ice-Save-Gesetz vom Wochenende allerdings jene Stimmen, die eine internationale Pflicht Islands zur Entschädigung ausländischer Regierungen überhaupt in Frage stellen.

Die Rating-Agentur Fitch, die schon im Jänner die Bewertung Islands auf "Müll-Status", also BB+ mit negativen Aussichten gesenkt hatte, könnte nach einem totalen Scheitern der Icesave-Gespräche ihre Bewertung Islands weiter senken. Die Agenturen Moody's und und Standard & Poors deuteten ähnliche Schritte an.

(Ag. )

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