Kaufst du noch oder klickst du schon?

Möbel werden immer noch gern im Einrichtungshaus gekauft. Aber der Onlineanteil wächst – und die Firmen rüsten auf: Amazon baut Möbel, und Ikea könnte sie verkaufen.

Der Platzhirsch unter den Möbelhäusern bekommt Konkurrenz von Amazon.
Der Platzhirsch unter den Möbelhäusern bekommt Konkurrenz von Amazon.
Der Platzhirsch unter den Möbelhäusern bekommt Konkurrenz von Amazon. – APA/EPA/AXEL HEIMKEN

Wien. Jeff Bezos hat im Moment viel um die Ohren: Scheidung, Erpressungsversuche durch den Boulevard und möglicherweise eine Fehde mit dem US-Präsidenten. Aber seiner Firma geht es gut. Und sie hat eine Neuigkeit in der Produktpalette: Möbel. Man werde von nun an zwei eigene Möbelmarken vertreiben, teilte Amazon mit. Also Eigenmarken – Möbel anderer Firmen kann man schon lange beim Internetriesen kaufen.

Internationaler Marktführer im Möbelhandel ist Ikea. Und beim schwedischen Einrichtungsgiganten hat sich der US-Konzern offenbar Inspiration geholt. Die Marke Movian aus dem Hause Amazon soll eine „flexible und praktische Kollektion moderner, skandinavisch inspirierter Möbel“ bieten. Über die Premiummarke Alkove sollen handgefertigte Sofas, Tische und Betten vertrieben werden. Seit einiger Zeit hat Amazon Tiernahrung als Eigenmarken im Sortiment sowie Gartenmöbel, Werkzeug und Matratzen. Und nicht nur mit eigenen Marken weitet der Gigant, der als Onlinebuchhandel begonnen hat, sein Revier laufend aus: Lebensmittel und Drogerieprodukte gibt es längst, und auch Kredite kann man sich als Unternehmer holen.

Offiziell nimmt man den Möbelvorstoß bei Ikea gelassen. Auch dort hat man Pläne. Der Onlineanteil soll steigen – über das Wie denkt man noch nach. Man erkunde Möglichkeiten, eine Onlineplattform zu gründen, auf der Möbel verkauft werden sollen, sagte Torbjorn Loof, Chef der niederländischen Holdinggesellschaft Inter Ikea, zur „Financial Times“.

 

Ikea-Shop in Wien startet 2021

Dort könnten möglicherweise nicht nur Möbel von Ikea verkauft werden, sondern auch von Konkurrenten. Es gebe noch keine konkreten Gespräche mit Konkurrenten, sagte Loof, aber man habe Interesse, sich am Aufbau einer industrieweiten Verkaufsplattform zu beteiligen. Loof nannte den Online-Modehändler Zalando als Beispiel für so eine Plattform. Besonders bald dürfte es aber nicht so weit sein: Loof nannte einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren für die Entwicklung. Außerdem prüfe Ikea den Verkauf von Produkten bei anderen Onlinehändlern wie Amazon oder Alibaba. Nachdem die Planungen länger als erwartet gedauert hätten, stehe der erste Testverkauf nun bevor.

Das Möbelhaus ist eine der letzten Bastionen des stationären Handels: Weniger als zehn Prozent der Möbel in Österreich werden im Netz gekauft. Aber der Anteil wächst. Ikea befindet sich mitten in einem großen Konzernumbau. Im vorigen Geschäftsjahr hat der Möbelriese 2,8 Milliarden Euro in Filialen, den Vertrieb und Kundensysteme investiert. 11.500 Arbeitsplätze sollen entstehen, 7500 werden abgebaut. Ikea beschäftigt 160.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen arbeitet auch an neuen Konzepten wie Ikea-Shops in den Städten. So ein Geschäft soll auch am Wiener Westbahnhof entstehen. Der Baustart ist für heuer geplant, die Eröffnung für 2021. Außerdem will der vom 2018 verstorbenen Milliardär Ingvar Kamprad gegründete Konzern demnächst beginnen, Möbel zu vermieten oder per Leasing anzubieten. Ein erster Probelauf soll noch im ersten Quartal in der Schweiz stattfinden. Nach dem Leasingzeitraum können Kunden die Möbel zurückgeben und etwas anderes leasen. Mehr Details sind aber noch nicht bekannt. Das Ziel sei, mehrere ausbaufähige Miet- oder Abomodelle zu entwickeln. Anstatt die Möbel wegzuwerfen, restauriere Ikea die Möbel etwas und könne sie verkaufen, um so den Lebenszyklus zu verlängern.

 

Ikea nimmt alte Möbel zurück

Außerdem können Ikea-Kunden mancherorts ihre alten Möbel wieder zurückbringen, in Österreich seit rund einem Jahr. Sie bekommen dafür einen Warengutschein im Wert von bis zu 30 Prozent des Neupreises, die Möbel werden in der „Fundgrube“ wieder verkauft. Das Angebot werde überraschend gut angenommen, sagt eine Sprecherin zur „Presse“.

Wegen des Konzernumbaus verbuchte Ikea im vorigen Geschäftsjahr einen Gewinnrückgang um 26 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro (beim operativen Ergebnis). Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 37 Mrd. Euro. (hie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2019)

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