Konjunktursorgen treiben EZB um - Neue Geldspritzen im Gespräch

Die Zinssitzung der EZB am Donnerstag wird Experten zufolge ganz im Zeichen der gestiegenen Sorgen um die Konjunktur stehen. Die jüngsten Wirtschaftsdaten waren hinter den Erwartungen der Euro-Wächter zurückgeblieben.

Ökonomen erwarten, dass EZB-Chef Mario Draghi  Hinweise darauf gibt, dass neue Langfristdarlehen für Geschäftsbanken kommen könnten
Ökonomen erwarten, dass EZB-Chef Mario Draghi  Hinweise darauf gibt, dass neue Langfristdarlehen für Geschäftsbanken kommen könnten
Ökonomen erwarten, dass EZB-Chef Mario Draghi Hinweise darauf gibt, dass neue Langfristdarlehen für Geschäftsbanken kommen könnten – REUTERS

Am Donnerstag treffen sich die Euro-Wächter zu ihrer routinemäßigen Sitzung in Frankfurt. "Den gedämpften Konjunkturausblick könnten die EZB-Oberen als Begründung für eine neue Liquiditätsspritze heranziehen", äußert DZ-Bank-Zinsexperte Christian Reicherter. Viele Ökonomen erwarten, dass EZB-Chef Mario Draghi auf der Pressekonferenz nach dem Zinstreffen zumindest Hinweise darauf gibt, dass neue Langfristdarlehen für Geschäftsbanken kommen könnten. In der Fachwelt werden solche Geldspritzen TLTROs genannt. Am Leitzins von 0,0 Prozent wird die Europäische Zentralbank (EZB) wohl nicht rütteln.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet stellte unlängst in Aussicht, der Notenbankrat werde sich sehr bald mit der Frage einer TLTRO-Neuauflage beschäftigen. Das heiße aber nicht unbedingt, dass auch gleich Entscheidungen getroffen würden. Praet befürchtet, Institute könnten ihre Kreditvergabe wegen der Konjunktureintrübung drosseln - was die Wirtschaft zusätzlich bremsen würde. Zum Jahresstart hatte das Wachstum der Darlehensvergabe bereits merklich nachgelassen. Die Euro-Notenbank hatte zuletzt im März 2016 vier TLTROs mit Laufzeit von vier Jahren beschlossen.

Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert geht davon aus, dass die EZB zwar auf der Pressekonferenz neue Geldspritzen in Aussicht stellen wird. "Aber wegen der Unsicherheit über die Konjunktur im weiteren Jahresverlauf könnte sie über die Details der Tender erst später entscheiden", ergänzt er. Viele Experten gehen davon aus, dass die Euro-Wächter erst im April oder Juni über Laufzeit, Volumen oder Zinskonditionen der Kredite entscheiden werden.

 

Schwächeres Wachstum erwartet

Bei ihren Beratungen werden den Währungshütern neue Prognosen der hauseigenen Ökonomen zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und zur Inflation vorliegen. "Die neuen Vorhersagen der EZB werden wahrscheinlich eine beträchtliche Senkung ihrer Prognosen zum BIP-Wachstum, vor allem für 2019, und niedrigere Inflationsprognosen beinhalten", schätzt UBS-Ökonom Reinhard Cluse. Seine Erwartung: Für 2019 wird die EZB für die Euro-Zone nur noch ein Wachstum von 1,3 (bisher: 1,7) Prozent vorhersagen und ihre Inflationsprognose auf 1,4 (1,6) Prozent zurückstutzen.. Für die Geldpolitik entscheidend wird aus Sicht vieler Volkswirte sein, ob es sich bei der momentanen Wachstumsschwäche nur um eine temporäre Delle handelt oder um eine anhaltende Abkühlung der Konjunktur, die auch die mittelfristigen Inflationsaussichten dämpfen würde.

Dies dürfte ein zentrales Thema in der Pressekonferenz mit Draghi sein. "Der Notenbankchef muss sich sicherlich kritischen Fragen stellen, inwieweit der EZB in Anbetracht eines nach unten revidierten Konjunkturausblicks überhaupt noch eine Normalisierung der Geldpolitik gelingen kann", sagt DZ-Bank-Experte Reicherter voraus. Laut ihrem aktuellen Ausblick will die EZB ihre Schlüsselzinsen bis mindestens über den Sommer dieses Jahres hinaus nicht antasten. Die meisten Volkswirte sind inzwischen aber skeptischer. Laut einer Reuters-Umfrage erwarten sie inzwischen, dass die EZB die Zinsschraube erst ab 2020 wieder nach oben dreht. Im Jänner war damit noch für das Schlussquartal 2019 gerechnet worden.

(Reuters)

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