China auf Einkaufstour in Griechenland

Nach dem Einstieg beim Hafen Piräus durch die chinesische Cosco streckt die Volksrepublik ihre Fühler nach anderen Kaufobjekten aus. Es gibt auch Widerstand.

Nicht alle Griechen sind über die neuen Investoren aus dem fernen Osten glücklich.
Nicht alle Griechen sind über die neuen Investoren aus dem fernen Osten glücklich.
Nicht alle Griechen sind über die neuen Investoren aus dem fernen Osten glücklich. – (c) APA/AFP/ANGELOS TZORTZINIS (ANGELOS TZORTZINIS)

Athen. Die Nachricht sorgte für Aufmerksamkeit: Griechenland wurde Mitte April offiziell Mitglied der 16+1-Initiative. Das ist der Ableger des chinesischen Seidenstraßenprojekts für ost- und südosteuropäische Länder. Eine Überraschung war das nicht, Athen hat schon lang keine Scheu vor chinesischem Geld. Letztlich war es ein „technischer“ Grund, warum man gerade bei 16+1 so lang zuwartete: Nordmazedonien firmierte mit seinem damaligen, von Athen nicht akzeptierten Namen „Mazedonien“ als Mitglied. Deshalb musste man die Beilegung des Namensstreits abwarten, um mitzumachen.

Es ist kein Zufall, dass Griechenlands Premier, Alexis Tsipras, bei seinem historischen Besuch in Nordmazedoniens Hauptstadt Skopje Anfang April erklärte, wie er sich Investitionspolitik auf dem Balkan vorstellt: Die Nachbarländer planen gemeinsame Verkehrsprojekte. Tsipras sagte, dass in der Region jeder Investor willkommen sei, egal ob aus Russland oder aus China. Die Spielregeln müssten die Länder selbst vorgeben. Damit ist er einer der Politiker, die von Gegnern des wachsenden chinesischen Einflusses in Europa als naiv bezeichnet werden.

In Griechenland konnten sich die Chinesen schon 2009 einen wichtigen Verkehrsknoten für chinesische Exporte sichern. Schifffahrtsgigant Cosco übernahm zwei Docks des Containerhafens von Piräus. Gerade zu der Zeit also, als europäische Investoren in der beginnenden griechischen Krise ihre Koffer packten, um sich für ein Jahrzehnt zu verabschieden. 2016 kaufte Cosco die Mehrheit der Hafenträgergesellschaft, sie hat auch im Passagierhafen das Sagen.

Der Aufschwung des Hafens in den letzten Jahren ist beeindruckend. Als Cosco 2009 einstieg, lag der Umschlag bei deutlich unter einer Million Containern. 2019 dürften es über fünf Millionen werden. Damit sollte Piräus heuer Valencia als größten Containerhafen im Mittelmeer ablösen. Von Rang 93 unter den weltweit größten Häfen stieß Piräus auf Rang 36 vor. Cosco brachte dem Staat Mehreinnahmen von etwa 800 Mio. Euro ein, abgesehen vom Kaufpreis.

Piräus ist nun die erste Anlaufstelle von Schiffen nach dem Suezkanal vor der Verteilung der Waren in Europa. Davon profitieren chinesische Exportfirmen, ebenso aber die vielen Produktionsniederlassungen internationaler Konzerne in China. Piräus wurde an das im Ausbau begriffene griechische Bahnnetz angeschlossen, bei Investitionen in diesem Bereich waren die Chinesen aber auffällig zurückhaltend. Vorrang haben eindeutig die Seerouten.

 

Neues Kreuzfahrt-Dock

Coscos neuer Masterplan für Piräus sieht Investitionen von 600 Mio. Euro vor. Der Handelshafen wird ausgebaut, so auch der Passagierhafen. Dort sind vier Hotels geplant, ein Einkaufszentrum und ein Dock für Super-Kreuzfahrtsschiffe. Ziel ist die Wandlung vom Durchgangshafen zum Ausgangspunkt für die schwimmenden Hotels. Doch es gibt Widerstand. Die Stadt Piräus begrüßt zwar die Hotels, lehnt aber das Einkaufszentrum ab, das sie als übermächtige Konkurrenz für den Einzelhandel der Stadt sieht. Auch mit dem neuen Logistikzentrum im Hafen und beim Einstieg ins Werftgeschäft stößt Cosco auf Schwierigkeiten. In beiden Fällen gibt es konkurrierende griechische Interessen.

Was besitzt China sonst in Griechenland? Da wären die Anteile der staatlichen Chinese State Grid am Betreiber des griechischen Stromnetzes, vor allem aber die Beteiligung der chinesischen Fosun am Konsortium für den Ausbau des alten Athener Flughafens Elliniko, ein Milliardenprojekt. Momentan läuft die Ausschreibung für den Betreiber des geplanten Casinos, dann soll der Startschuss für den Baubeginn fallen.

An strategisch wichtiger Infrastruktur besitzt China also, abgesehen von Piräus, wenig. Im griechischen Alltag sind die Asiaten dafür immer auffälliger präsent. Neben der alten chinesischen Gemeinde mit ihren Ramschläden sieht man nun in Athen viele gut betuchte Individualreisende auf Wohnungssuche – 2000 von ihnen haben bereits Immobilien im Wert von mindestens 250.000 Euro erworben und sich damit ein „Goldenes Visum“, also eine Aufenthaltsbewilligung in der EU, erkauft. Große Hoffnungen setzt man auch auf den chinesischen Tourismus, der mit 200.000 Besuchern 2018 immer noch stark ausbaufähig ist. Zumindest die Immobilien- und Tourismusbranche übernimmt zunehmend die Reaktion der flexiblen griechischen Reeder auf den chinesischen Vormarsch. Deren Kinder haben schon längst eine weitere Fremdsprache im Lehrplan: Chinesisch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2019)

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