Asien: Wenn Mahrer Gewerkschafter einlädt

Was die Wirtschaftskammer und die ETH Zürich in Singapur suchen. Was der Klimawandel damit zu tun hat. Und warum das für Wien so wichtig ist.

Auch Singapur ist stark vom Klimawandel betroffen.
Auch Singapur ist stark vom Klimawandel betroffen.
Auch Singapur ist stark vom Klimawandel betroffen. – (c) Fraser Hall/robertharding/picturedesk.com

Singapur. Es ist nur auf den ersten Blick ein schizophrenes Phänomen. Da kündigt Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer vor österreichischen Journalisten während einer Wirtschaftsdelegationsreise von Vietnam nach Singapur an, sich bei der Förderung des Exports vor allem auf Südostasien und den Großraum Indien konzentrieren zu wollen. Gleichzeitig warnt dort Wissenschaftler Gerhard Schmidt mit beeindruckenden Grafiken und Animationen vor dem Klimawandel in der Region.

Nirgendwo sonst auf der Welt sei die Dynamik von Wirtschaft, Forschung und Innovation so stark wie in Asien, speziell im südöstlichen Raum, schwärmt Mahrer. Schmidt, Professor an der Universität für globale ökologische Nachhaltigkeit (Außenstelle der ETH Zürich), betont hingegen, dass just Städte in Asien, Indien und später in Afrika in den nächsten 20 Jahren mit enormem Bevölkerungswachstum rechnen müssen.

 

Umgang mit dem Klimawandel

Sie alle haben ein Problem: Der Klimawandel trifft Großstädte aufgrund der Verbauung und der Hitzespeicherung ebendort besonders hart. Schmidt berichtet auch, wie wichtig die Entscheidung der Zürcher war, sich mit einer Uni nach Singapur zu wagen, wo die Forscher nun in der Atmosphäre eines angelsächsischen Forschungs-Start-ups Maßnahmen erarbeiten und Möglichkeiten ausloten, mit dem Klimawandel umzugehen. Ihn zu verhindern scheint hier gar keine ernsthafte oder realistische Option zu sein.

Warum das für Österreich so wichtig ist: Schmidt nennt drei Städte in Europa, die bekanntlich überdurchschnittlich unangenehm von der Erderwärmung und ihren Wetterfolgen betroffen sein werden – neben Rom und Zürich ist das vor allem Wien. Schmidt lobt ausdrücklich viele Maßnahmen, die in Wien von der lokalen Regierung getroffen worden seien. Wien habe es über die Jahrhunderte immer geschafft, mit Resilienz alle Kriege und Katastrophen zu überleben und sogar eine höhere Lebensqualität als je zuvor zu erreichen. „Das können ganz wenige Städte vorweisen“, sagt Schmidt. Nichtsdestotrotz wird Wien von den sommerlichen Hitzewellen sehr stark in Mitleidenschaft gezogen werden, Gegenmaßnahmen wie Urban Farming oder ein weiterer Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und vor allem eine Kühlung der Stadt mittels Grünflächen und neuer Architektur seien unabdingbar.

Dafür ging der Zürcher nach Singapur. Und wurde dort für solche Vorschläge anfangs auch belächelt, heute ist das anders. Mahrer ist auch hier, um von Singapur zu lernen, und auch um einen Kooperationsvertrag mit einer staatlichen Universität zu unterzeichnen, der österreichischen Unternehmern oder deren Mitarbeitern die Teilnahme und Ausbildung in deren Start-up-Accelerator ermöglichen wird. Denn für Mahrer steht fest: Die Fokussierung auf den asiatischen Raum sei überlebenswichtig für die Exportnation Österreich.

 

Um Fachkräfte werben

Die Entscheidung dafür sei nicht aus dem Bauch heraus gefallen, sondern basiere auf Zahlen: „Wir gehen dorthin, wo die Musik in Zukunft spielt.“ Das Wissen über den Abstiegskampf der Europäer im weltweiten Wettbewerb um Wirtschaftsdynamik und Innovation sei auch in Österreich noch immer nicht bei allen präsent.

Daher will Mahrer in Zukunft auch jene zu Delegationsreisen mit ihm auffordern, die das mitunter anders sehen, also etwa Vertreter der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer, wie Wolfgang Katzian oder Renate Anderl. Es gelte auch, um Fachkräfte für Österreich zu werben, die in Österreich weder vorhanden seien noch ausgebildet werden könnten. Das müssten endlich auch jene verstehen, die „hinter jedem Busch jemanden sitzen sehen, der einem Österreicher den Job wegnehmen will“.

Compliance-Hinweis: Die Reise des Autors wurde teilweise von der WKO finanziert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2019)

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