Digitalisierung kostet bei VW 4000 Jobs

Der Autokonzern investiert vier Milliarden Euro in entsprechende Projekte. Gleichzeit wird die Verwaltung aber radikal verschlankt.

VW Logo am Volkswagen I D BUZZ Feature allgemein Randmotiv Internationale Automobil Aussstellu
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imago images / Sven Simon

Jobkiller oder Heilsbringer? Zwischen diesen beiden Extremen schwanken die Meinungen über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitwelt. Beim Autobauer VW ist jetzt vorerst einmal klar, wohin die Reise geht: Die Digitalisierung führt bei Volkswagen zu einem Wegfall von bis zu 4000 Stellen in der Verwaltung. Da Aufgaben durch den verstärkten Einsatz von IT entfielen, sollten in den kommenden vier Jahren Arbeitsplätze in dieser Größenordnung beim Ausscheiden von Beschäftigten nicht wieder besetzt werden, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Zugleich will der deutsche Konzern aber mindestens 2000 neue Jobs schaffen. Der von Vorstand und Betriebsrat beschlossene Plan zur digitalen Transformation sieht außerdem bis 2023 rund vier Milliarden Euro an Investitionen in Digitalisierungsprojekte in Verwaltung und Produktion vor.

„Wir machen den Konzern fit für das digitale Zeitalter in einer nachhaltigen Art und Weise“, sagte dazu Marken-Chef Ralf Brandstätter.

Altersteilzeit erweitert

Ungeachtet der Einigung zwischen VW-Führung und Betriebsrat auf den Stellenabbau hat der deutsche Autokonzern mit dem Betriebsrat eine Verlängerung der Beschäftigungssicherung bis 2029 vereinbart. Überdies erweiterte der Konzern die Möglichkeit der Altersteilzeit für Arbeitnehmer bis zum Jahrgang 1964. Volkswagen-Chef Herbert Diess hatte ursprünglich 7.000 Stellen abbauen wollen. Darüber stritt er sich auch öffentlich mit Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Dieser erklärte nun: "Wir haben für die Belegschaften unsere Hauptanliegen Beschäftigungssicherung und Altersteilzeit durchgesetzt." Beim möglichen Abbau von Arbeitsplätzen müsse klar sein, dass diese Tätigkeiten tatsächlich entfallen - ansonsten werde weiterhin jede Stelle nachbesetzt, "denn Arbeitsverdichtung wird es mit uns nicht geben".

Von dem Sparprogramm sind die Kernmarke VW sowie die zentrale Komponentenfertigung betroffen. Die wegfallenden Arbeitsplätze in der Verwaltung sollen dem Unternehmen zufolge dank Investitionen in Digitalisierung und verbesserte Prozesse überflüssig werden.

Gleichzeitig vereinbarten VW und Belegschaftsvertreter, dass auch der Fahrzeugbau bis 2023 um fünf Prozent produktiver werden soll. Zusätzlich investiert der Autobauer mehr Geld in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter.

Konzernchef Diess baut das Unternehmen, das sich künftig auf autonames Fahren und E-Mobilität konzentriert, um. Mit einem umfangreichen Restrukturierungskonzept sollen ab 2023  Einsparungen im Volumen von bis zu sechs Mrd. Euro erreicht werden. Was die Gewerkschaft in Alarmbereitschaft versetzt. Allein bei der Kernmarke VW, die für die Hälfte des Gesamtabsatzes verantwortlich ist, arbeiten 190.000 der weltweit 663.000 Mitarbeiter. Personalkosten seien eine „große Herausforderung“, meinte Diess in einem Investorengespräch im März. Er will bis 2022 eine operative Gewinnmarge von sechs Prozent erreichen.

(reuters)

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