Luxusmarken: Yves Saint Laurent hängt Gucci ab

Während Gucci zuletzt – trotz starker Zahlen – enttäuschte, strahlt Yves Saint Laurent in neuem Glanz. Unter der Führung von Francesca Bellettini avanciert die Marke zur Nummer eins innerhalb des Kering-Konzerns.

Lorea Roman posing on the street during Mercedes Benz Fashion Week Madrid July 9 2018 MBFWMadri
Lorea Roman posing on the street during Mercedes Benz Fashion Week Madrid July 9 2018 MBFWMadri
Schuhe mit dem Logo von Yves Saint Laurent als Absatz (Archivbild) – (c) imago/Runway Manhattan (Michael Ip)

Wien. Der französische Luxusgüterkonzern Kering war zuletzt nicht gerade der Liebling der Aktionäre. Rund sieben Prozent Wertverlust musste die Aktie am Freitag hinnehmen, bevor sich der Kurs am Montag wieder einigermaßen stabilisierte – und das trotz starker Halbjahreszahlen. Grund für die zeitweilige Flaute war wohl das Quartalsergebnis der italienischen Konzerntochter Gucci: Sie schaffte von April bis Juni „nur noch“ ein Umsatzplus von 12,7 Prozent. Den erfolgsverwöhnten Aktionären war das offenbar zu wenig – zumal Analysten mit einem Anstieg von 14 bis 15 Prozent gerechnet hatten. Da half auch das exorbitante, fast 27-prozentige Gewinnwachstum des italienischen Luxuslabels nicht mehr wirklich.

Mehr Freude macht dem Konzern im Moment wohl sein zweites Aushängeschild: Yves Saint Laurent schaffte ein Umsatzplus von knapp 17 Prozent und hängte die Italiener damit um Längen ab. Mit dem französischen Modehaus geht es – nach schwächeren Jahren – steil bergauf, seit Kering es im Jahr 2013 übernommen hat. Zurzeit ist es auf dem besten Weg, Gucci konzernintern den Rang als Nummer eins abzulaufen.

In der Grande Nation wird man das zu schätzen wissen – auch wenn es kein französisches Führungsteam ist, das dem traditionsreichen Label zu seinem neuen Glanz verholfen hat. Vielmehr ist es eine italienische Topmanagerin, die dafür verantwortlich zeichnet: die ehemalige Investmentbankerin Francesca Bellettini. Sie startete ihre Karriere bei Goldman Sachs in London und wechselte später von der Finanz- in die Modebranche. Von der Ledermarke Bottega Veneta, die ebenfalls zum Kering-Konzern gehört, kam sie schließlich zu Yves Saint Laurent. Unter ihrer Führung hat sich der Umsatz des Modehauses von rund 557 Millionen auf nahezu zwei Milliarden Euro vervielfacht.

Puristisch, schnörkellos

Auch der Posten des Kreativdirektors bei Yves Saint Laurent ist zurzeit nicht in französischer Hand: Im Jahr 2016 wurde Hedi Slimane vom Belgier Anthony Vaccarello abgelöst. Seine moderne, pure Ästhetik passe perfekt zum Haus, zeigte sich Bellettini damals begeistert. Bellettini selbst ist übrigens für ihr schnörkelloses Auftreten bekannt, meist trägt sie schwarze Kleidung und nur sehr wenig Make-up. Umso mehr pflegt sie ihren Ruf als Powerfrau. Das deutsche „Handelsblatt“ zitierte sie kürzlich mit den Worten, Yves Saint Laurent sei kein Fiat Cinquecento, sondern ein Ferrari, „unser Modehaus hat den Motor eines Sportwagens“. Was angesichts des rasanten Umsatzwachstums gar nicht allzu übertrieben erscheint.

Innerhalb der männlich dominierten Modewelt hat Bellettini es ganz nach oben geschafft, so viel steht fest. Kürzlich avancierte sie auch noch zur Präsidentin der Modekammer Chambre syndicale de la mode féminine, einer von drei Abteilungen des Pariser Branchenverbands Fédération de la Haute Couture et de la Mode. Und sie ist neuerdings sogar Trägerin des Ordens der Ehrenlegion.

Bellettini sei zu einem Symbol der Pariserin geworden, sagte die Pariser Bürgermeisterin, Anne Hidalgo, bei ihrer Laudatio. In Frankreich wird man sich darüber freuen. (cka)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2019)

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