Jack Ma gibt nach 20 Jahren die Zügel bei Alibaba ab

Der Aufstieg des von ihm gegründeten Amazon-Konkurrenten gilt als Symbol für die Entwicklung Chinas zur technologisch konkurrenzfähigen zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Jack Ma tritt an seinem 55. Geburtstag als Chef Chinas größten Unternehmens zurück.
Jack Ma tritt an seinem 55. Geburtstag als Chef Chinas größten Unternehmens zurück.
Jack Ma tritt an seinem 55. Geburtstag als Chef Chinas größten Unternehmens zurück. – APA/AFP/PHILIPPE LOPEZ

Wien. Nach 20 Jahren auf dem Thron des Alibaba-Imperiums gibt Jack Ma das Zepter bei dem chinesischen Online–Handelsriesen ab. Der ehemalige Englischlehrer trat am Dienstag an seinem 55. Geburtstag als geschäftsführender Vorsitzender von Chinas größtem Unternehmen zurück. Ihm bleibt ein Vermögen in Höhe von 41,8 Mrd. Dollar, das er über die Jahre angesammelt hat. Eine Summe, die in Asien laut dem Bloomberg Billionaires Index nur von Indiens Mukesh Ambani übertroffen wird.
Ma's spektakulärer Aufstieg von einem Kleinunternehmer, der 1999 aus seiner Wohnung heraus arbeitete, zum E-Commerce-Mogul spiegelt Chinas eigene Entwicklung von einem Land mit großem technologischem Rückstau hin zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wider.

Harvard lehnte in zehn Mal ab

„Bier“ und „China“ waren die ersten Worte, die er 1995 in eine erst ein Jahr zuvor gegründete Suchmaschine names Yahoo eintippte, erzählte Ma später einmal. Die Anfrage blieb ohne Treffer. Damals erkannte er das enorme Geschäftspotenzial des Internets im Reich der Mitte. In zwei Jahrzehnten bauten Ma und seine Mitbegründer ihre Online-Handelsplattform zu einem 460 Milliarden Dollar schweren Titan auf, der Ebay und Amazon übertrifft, eines der größten Cloud-Computing-Unternehmen der Welt steuert und ein Logistiknetzwerk betreibt, das täglich Millionen von Paketen liefert. Damit ist Jack Ma zum Gesicht der chinesischen Wirtschaft geworden, auch als Mitglied der regierenden Kommunistischen Partei.

Doch bei allem Erfolg zeichnen auch Rückschläge sein Leben. Die Elite-Universität Harvard ließ ihn ganze zehn Mal abblitzen. Sogar die Fastfood-Kette KFC lehnte einmal seine Bewerbung ab. Doch der Mann, der Comic-Figuren liebt, stand immer wieder auf. Heute neigt er zu auffälligen öffentlichen Auftritten: einmal ganz in Leder mit Irokesenschnitt und schwarzem Lippenstift, ein anderes Mal als Elvis verkleidet.
Der bekannteste Geschäftsmann Chinas übergab das Ruder nun an Alibaba-Vorstand Daniel Zhang – ein bedeutsamer Übergang für Asiens größtes Unternehmen. Denn von der Post-Ma-Ära wird viel erwartet. Die nachlassende Wachstumsdynamik Chinas prallt derzeit noch an Alibaba ab. Der Technologieriese erzielte im Geschäftsquartal von April bis Juni einen Umsatz von 114,92 Milliarden Yuan (16,15 Milliarden US-Dollar), 42 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Kampf um die Nutzer

Die große Herausforderungen für Alibaba besteht in Zukunft darin, weiter Benutzer zu gewinnen. Um die weniger entwickelten Regionen zu erschließen, hat Alibaba seine E-Commerce-Dienste daher nun in Douyin integriert, eine Video-App für das ländliche China. Allerdings gibt es immer mehr inländische Konkurrenz. Etwa in Form von JD.com und Pinduoduo, die beide vom zweiten chinesischen Technologieriesen Tencent unterstützt werden. Sie profitieren bei der Suche nach neuen Benutzern auch von der populären Nachrichten-App WeChat. Alibaba muss ohne diese Hebelwirkung auskommen.

Trotz des Rückschritts wird von Branchenkennern erwartet, dass Ma weiterhin eine Schlüssel- rolle im E-Commerce spielen wird. Ma selbst gab schon 2018 bekannt, sich nach dem Ende seiner operativen Firmenkarriere dem Thema Bildung widmen zu wollen. Der Selfmade-Milliardär gründete 2015 zusammen mit acht weiteren chinesischen Tycoons die Hupan University in Hangzhou. Eine Bildungseinrichtung, die sich inzwischen zu einem der mächtigsten Business-Netzwerke Chinas entpuppt hat. Einige seiner Schüler sind Geschäftsführer chinesischer Tech-Einhörner, also Start-ups mit einer Bewertung von über zehn Mrd. Dollar. Und die Liste wächst.

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