Luftverkehr wächst – trotz Flugscham

Einer IATA- Studie zufolge schafft die Branche in Österreich 95.000 Jobs und trägt 2,1 Prozent des BIP. Bei der Flug-Anbindung gehört das Land zu den Schlusslichtern.

Flugscham hin oder her – weltweit wird immer mehr statt weniger geflogen.
Flugscham hin oder her – weltweit wird immer mehr statt weniger geflogen.
Flugscham hin oder her – weltweit wird immer mehr statt weniger geflogen. – (c) APA/AFP/DANIEL SLIM

Wien. Flugscham hin oder her – weltweit wird immer mehr statt weniger geflogen. Laut aktuellen Zahlen des Weltluftfahrtverbandes IATA wird sich das Passagieraufkommen in den nächsten 20 Jahren von 3,8 auf 8,1 Milliarden Reisende mehr als verdoppeln. Markttreiber ist vor allem China, das im Jahr 2023 die USA als größter Luftfahrtmarkt überholen soll. Insgesamt sorgen sechs asiatische Märkte – außer China sind das Indien, Japan, Indonesien, Südkorea und Thailand – für überdurchschnittliche Wachstumsraten.

Der Luftverkehr verursacht zwar nur zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen – für Umweltschützer sind das dennoch zwei Prozent zuviel. Die Industrie wiederum verweist – nicht überraschend – auf die Wertschöpfung. Allein in Österreich tragen Fluglinien und Flughäfen inklusive Zulieferer sowie die per Flugzeug anreisenden Touristen 8,4 Mrd. Dollar zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, das sind 2,1 Prozent. Außerdem sorgt die Branche direkt und indirekt für 95.000 Arbeitsplätze.

Das könnte noch mehr sein, sagte der Präsident des Österreichischen Luftfahrtverbandes, Ex-AUA-Vorstand Peter Malanik, am Dienstag bei der Präsentation der IATA-Studie. Österreich ist eine attraktive Touristendestination und liegt weltweit laut Weltwirtschaftsforum auf Rang zwölf. Die Anbindung durch Flüge ist aber schlecht. Sie hat sich zwar in den letzten fünf Jahren um 40 Prozent verbessert, dennoch liegt Österreich im Europa-Ranking nur auf Platz 16. Spitze sind Großbritannien und Deutschland.

Ein wettbewerbsfähigerer Luftverkehr würde bis 2037 weitere 14.000 Arbeitsplätze und vier Mrd. Dollar zusätzliches BIP schaffen, errechnete die IATA.

 

Zu hohe Steuern und Gebühren

Dafür brauche es einige Voraussetzungen, sagte IATA-Ökonomin Kate Markhvida. Das sind innovative Technologien, um den Transport von Passagieren und Fracht zu erleichtern. Zum anderen seien einfache Regularien notwendig, zumal Österreich zu den europäischen Ländern mit den höchsten Steuern und Gebühren zähle. Größte Hürde sei laut IATA die Ticketsteuer – seit Jahren ein Dorn im Auge der Branche.

„Die Halbierung der Flugabgabe 2018 war ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte Malanik. Er führt das Passagierwachstum in Wien und den Neuzugang etlicher Billig-Airlines darauf zurück. Eine Abschaffung der Ticketsteuer – wie sie Luftfahrtverband, Fluglinien, Flughäfen und Touristiker fordern – würde laut einer Studie von PWC und dem Verband „Airlines4Europe“ das BIP um 320 Mio. Euro pro Jahr erhöhen und weitere 1000 Arbeitsplätze schaffen. Bliebe die Abgabe, sollten die Einnahmen der Branche zugute kommen.

Zurück zur Umweltdebatte: Die Branche hat sich verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2050 auf die Hälfte des Niveaus von 2005 zu senken. Das erfordert erhebliche Investitionen in Hybrid-Elektro-Technologien und neue Kraftstoffe. „Würde die Regierung solche Investitionen fördern, könnte sie Klimaführerschaft demonstrieren und neue wirtschaftliche Chancen schaffen“, betonte Malanik. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2019)

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