Athen schweigt über die wahre Höhe der Schulden

Das Land hat laut Eurostat noch nicht alle Dokumente über seine versteckten Schulden offengelegt. „Wir haben die richtigen Dokumente noch nicht gesehen“, sagte Walter Radermacher, Chef des EU-Statistikamts Eurostat.

Griechenland
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(c) EPA (ORESTIS PANAGIOTOU)

Berlin/London (Bloomberg/red.). Vier Monate nach dem 110 Mrd. Euro schweren EU-Rettungspaket für Griechenland hat das Land noch immer nicht alle Details enthüllt, wie es seine Schulden verheimlicht hat. „Wir haben die richtigen Dokumente noch nicht gesehen“, sagte Walter Radermacher, Chef des EU-Statistikamts Eurostat. Griechenland habe durch komplizierte Derivate Zahlungen in die Zukunft verlagert und als einziges Euroland über das Ausmaß dieser Geschäfte gelogen, sagte Radermacher. Im Zuge der Finanzkrise sei diese Vorgangsweise aufgeflogen, wie viele solcher Verträge es gebe, sei aber immer noch nicht klar.

 

Hohe Aufschläge für Anleihen

Eurostat-Funktionäre sollen noch diesen Monat zusammen mit Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission nach Griechenland reisen, um eine „solide Schätzung“ über das Gesamtausmaß der Schulden vorzunehmen, die durch undurchsichtige Verträge versteckt wurden. Im Vorjahr betrug die Verschuldung des Landes 115,1 Prozent des BIP, das ist der zweithöchste Wert nach Italien (115,8 Prozent). Investoren zweifeln noch immer an Griechenland: Für zehnjährige Staatsanleihen aus Griechenland sind die Zinsaufschläge fünfmal so hoch wie für jene aus Deutschland.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2010)

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