"Brauchen keine Hilfe": Portugal will nicht Irland werden

Portugal brauche mehr Geld als Irland, sagt ein Experte. Der Staat muss sich 2011 rund 25 Milliarden Euro frisches Geld auf den Kapitalmärkten besorgen.

Jose Socrates
Jose Socrates
(c) AP (Francisco Seco)

Nach den Rettungszusagen für Irland hat Portugal erneut beteuert, dass es keine Finanzhilfen nötig habe. "Wir brauchen keinerlei Hilfe", sagte Regierungschef Jose Socrates am Montag in Lissabon. Portugal sei nicht Irland: "Wir haben niemals eine Immobilienblase gehabt, und unser Haushalt ist mit dem irischen nicht zu vergleichen."

"Portugal noch nicht aus dem Schneider"

Er hoffe, dass die Beruhigung der Märkte nun anhalte, denn Portugal habe sehr gelitten unter der "Ansteckung" der irischen Krise. Das Land hatte in den vergangenen Wochen hohe Zinsen an Investoren für seine Staatsanleihen zahlen müssen.

Die Ansteckungsgefahr sei nur kurzfristig gebannnt, sagte Carsten Brzeski von der niederländischen Bank ING der Nachrichtenagentur Reuters. Hilfen für Irland "beruhigen die Märkte und verschaffen den anderen Ländern eine Atempause. Aber insbesondere Portugal ist noch nicht aus dem Schneider."

"Haben kritischen Punkt überschritten"

Der portugiesische Wirtschaftswissenschaftler Filipe Garcia hält es laut "Financial Times Deutschland" sogar für "unvermeidlich", dass sein Land als nächstes unter den 750 Milliarden Euro schweren Euro-Rettungsschirm schlüpft. "Ich glaube, wir haben den Punkt überschritten, an dem die Refinanzierungskosten tragbar sind", sagt Garcia.

"Portugal verfolgt eine klare und angemessene Strategie der Haushaltskonsolidierung und struktureller Reformen, die auf eine Stärkung von Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum abzielen", betonte hingegen Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos am Sonntagabend.

Portugal als nächster Kandidat

Das Staatsdefizit in Portugal liegt derzeit bei 7,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - das in Irland bei 32 Prozent. Die Regierung in Lissabon hat ein striktes Sparprogramm aufgelegt und will das Defizit bis kommendes Jahr auf 4,6 Prozent senken. Die beiden größten Gewerkschaften des Landes haben für Mittwoch zum Generalstreik gegen die Kürzungen aufgerufen.

Analysten sehen in Portugal nach wie vor den nächsten Kandidaten für Hilfen von EU und IWF. Die Zinsen für portugiesische Staatsanleihen stiegen am Montag weiter und erreichten 6,527 Prozent - am Freitagabend waren es noch 6,508 Prozent gewesen. Die Wirtschaft des Landes stagniert seit Jahren, die Schulden betragen 161 Mrd. Euro - mehr als 82 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - und werden nach Einschätzung von Analysten auch in diesem Jahr weiter steigen.

Portugal braucht mehr Geld als Irland

Portugal brauche mehr Geld als Irland, sagte Nick Firoozye von der japanischen Bank Nomura der Zeitung "Diario Economico". Der Staat muss sich im kommenden Jahr 25,6 Milliarden Euro frisches Geld auf den Kapitalmärkten besorgen, davon 19,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr.

(Ag.)

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