"Wie Enron": Wikileaks nimmt große US-Bank ins Visier

Wikileaks-Gründer Julian Assange kündigt die Veröffentlichung von belastendem Material über eine "große US-Bank" an. Die Dokumente könnten "eine oder zwei Banken in die Tiefe reißen."

Wikileaks nimmt grosse USBank
Wikileaks nimmt grosse USBank
(c) REUTERS (VALENTIN FLAURAUD)

Die Enthüllungs-Plattform Wikileaks will nach der Veröffentlichung von Hunderttausenden Geheimdokumenten des US-Außenministeriums demnächst eine "große US-Bank" ins Visier nehmen. Dies kündigte Wikileaks-Gründer Julian Assange im US-Magazin "Forbes" an. Seine Internet-Plattform werde Zehntausende Geheimdokumente aus einer großen US-Bank veröffentlichen, "die eine oder zwei Banken in die Tiefe reißen" könnten. Auf die Frage, ob es sich um die größte US-Bank handeln könnte, wollte er keine Antwort geben.

"Wie bei den Enron-E-Mails"

Die Dokumente sollten "Anfang kommenden Jahres" im Internet veröffentlicht werden, sagte Assange. Sie würden unter anderem zeigen, wie auf Führungsetagen der Banken gegen die Ethik verstoßen werde. Es gebe nur ein ähnliches Beispiel: "Es ist wie bei den Enron-E-Mails". Warum diese so wertvoll gewesen sein? "Als Enron zusammenbrach, kamen tausende und tausende von internen Emails ans Tageslicht, die einen Blick darauf gewährten, wie der Konzern gemanagt wurde", so Assange.

Daher eröffne die Offenlegung des Materials "wahre und repräsentative Einsichten, wie sich Banken auf der Managementebene verhalten", sagte Assange weiter. Denn auch auf bei der normalen Entscheidungsfindung von Managern offenbare sich, ob es blinde Flecken gegenüber unethischen Firmenpraktiken gebe. "Die Aufsicht, die nicht stattfindet; die Vorlieben von Managern; wie sie glauben, ihre Eigeninteressen zu handzuhaben und die Art wie sie darüber sprechen", nannte Assange als Beispiele.

Blick auf die Geheimnisse der Bank

Die Folge dürften "vermutlich Untersuchungen und Reformen sein". "Forbes" schreibt, die Veröffentlichung ermögliche jedem Kunden, Konkurrenten und den Regulierungsbehörden den Blick auf die Geheimnisse der betroffenen Bank.

Das Thema Datensicherheit rücke damit ganz nach oben in die Prioritätenliste der Manager, schreibt das "Handelsblatt". Ein Datenklau, wie ihn die US-Regierung nun erlebe, könne für Firmen den Abstieg bedeuten. Bereits 2008 veröffentlichte Wikileaks vertrauliche Dokumente der Schweizer Bank Julius Bär.

"Wikileaks nicht unterschätzen"

Die Zeitung zitiert das IT-Unternehmen Wincor-Nixdorf. Dieses rät allen Firmen, Wikileaks nicht zu unterschätzen. "Wikileaks hat den selbst gesetzten Anspruch, gegen unethisches Verhalten vorzugehen. Deshalb werden die Compliance-Richtlinien immer wichtiger. Es gilt, diese Richtlinien auch beim Einkauf einzuhalten, um zum Beispiel nicht gegen das Verbot von Kinderarbeit zu verstoßen", sagte ein Konzernsprecher.

Das Interview mit Assange wurde den Angaben zufolge am 11. November in London geführt, also vor der Veröffentlichung von mehr als 250.000 Dokumenten von US-Diplomaten in aller Welt am Sonntag. Die Unterlagen aus der Zeit von 2003 bis Februar 2010 enthalten viele Informationen und unangenehme Einschätzungen von US-Diplomaten.

(Ag./Red.)

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