USA verklagen BP wegen Ölpest

Die möglichen Kosten für den Ölriesen könnten sich mit der Klage der USA auf 80 Mrd. Dollar verdoppeln. Dem Ölkonzern wird grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen. Die Aktie rutscht stark ab.

verklagen wegen oelpest
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(c) REUTERS (MOLLY RILEY)

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko könnte BP teurer zu stehen kommen als gedacht. Die USA haben Klage gegen den britischen Konzern und vier weitere Unternehmen eingereicht. Ihnen wird grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen. Sie hätten gegen Umweltgesetze der USA verstoßen und dadurch die größte Umweltkatastrophe in der US-Geschichte verursacht, heißt es in der Anklage.

Auch Transocean und Anadarko geklagt

Nach der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April flossen nach Schätzungen der US-Regierung 4,9 Millionen Fass Öl (je 159 Liter) ins Meer, 1000 Kilometer Küste wurden verseucht, tausende Tiere verendeten, der Fischfang war für Monate verboten, viele Fischer der Region wurden arbeitslos. Schließt sich das Gericht der Argumentation der Kläger an, stehen BP für jeden Liter Erdöl eine Strafe von 4100 Dollar ins Haus. In Summe wären das 20,1 Mrd. Dollar. Entscheidet der Richter, dass die Unternehmen nicht grob fahrlässig gehandelt haben, werden immer noch 1100 Dollar je Fass oder in Summe 5,4 Mrd. Dollar fällig. Rechnet man die über 300 Klagen von Privatpersonen und Firmen hinzu, könnten die Kosten für den Ölkonzern auf 80 Mrd. Dollar steigen, schätzen Beobachter.

Gerade die Hälfte davon hat das Unternehmen für Aufräumarbeiten und Gerichtskosten in seinen Bilanzen eingeplant, 20 Mrd. davon wurden in einen Treuhandfonds eingezahlt. Entsprechend nervös reagierten die Anleger. Die BP-Aktie erlebte den kräftigsten Absturz der vergangenen vier Monate. In London notierte das Papier am Nachmittag 1,8 Prozent tiefer. Seit dem Unglück büßte der Konzern rund 70 Mrd. Dollar an Börsewert ein, Konzernboss Tony Hayward musste gehen. Im September wurde das Bohrloch endgültig versiegelt.

Mit der Klage kommen erstmals auch Kosten auf andere am Unglück beteiligte Unternehmen zu. Der Plattformbesitzer Transocean wurde ebenso geklagt wie der BP-Partner Anadarko. Halliburton, das Unternehmen, das für die Zementarbeiten zuständig war, wurde in der Klage nicht erwähnt. Die USA haben allerdings nicht ausgeschlossen, auch weitere Firmen zu klagen.

WikiLeaks: Vertuschte BP schweren Unfall?

BP hatte am Donnerstag noch einen weiteren Schlag zu verkraften. Der Konzern soll im September 2008 einen ähnlichen Vorfall wie im Golf von Mexiko vertuscht haben, berichtet der britische „Guardian“ unter Berufung auf die Enthüllungsplattform WikiLeaks.

Selbst Geschäftspartner beklagten sich, dass das Unternehmen nur zögernd Informationen über den Unfall gab. Das soll aus Berichten von US-Diplomaten hervorgehen. Im Jänner 2009 habe BP schlampige Betonierungsarbeiten für die Explosion verantwortlich gemacht – ähnlich argumentierte der Konzern auch nach der Explosion der „Deepwater Horizon“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2010)

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